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Mittwoch, 9. März 2016, 07:29

Elektronik (Probleme) aus China

Hallo,

für manche SMD Arbeiten aber auch für Dinge wie Schrumpfschlauch Schrumpfen habe ich mir bei Ebay sehr günstig eine Reflow and Solder Station gekauft. Beide separate Teile können mehr oder weniger per 7-Segment Anzeige gradgenau eingestellt werden. Der Temperaturbereich erstreckt sich dabei bis 350°C (Heißluft) und 450°C (Lötkolben). Eigentlich habe ich das Teil nur wegen dem Heißluftföhn gekauft. Nettes Zubehör wie verschiedene Heißluftdüsen, einige Lötspitzen, Entlötlitze, eine Lupe und ein Werkzeug um Pins von ICs per Lötkolben zu entlöten war auch dabei.

Gestern wollte ich das erste mal den Lötkolben ausprobieren, da ich sonst immer meinen altbewährten Weller Magnastat verwende. Zu meinem Verdruss tat sich nach Betätigung des Hauptschalters für den Lötkolben überhaupt nichts am Gerät. Nicht mal die Temperatur konnte ich einstellen, die drei 7-Segment Anzeigen blieben aus. Kurzer Hand den Apparillo aufgeschraubt und das Problem sofort gesehen:




Ein Stecker zum Hauptschalter des Lötkolben war lose. Er wurde aber vermutlich nicht vergessen, sondern hatte überhaupt keine Klemmwirkung, sodass man diesen erst mal mit der Zange zusammenpressen musste. Klar sind solche Fehler eigentlich die liebsten, aber nachdem ich die Elektrokunstruktion im Inneren gesehen habe dachte ich mir nur "was haste denn da gekauft" 8-| .

Wie der EDV-Dompteur auch schon auf seiner Infoseite für Lichteffekte erwähnt hat:

Zitat

Was ich an Billigstgeräten bislang zu Gesicht bekommen habe, entspricht
keinen Standards, würde keine VDE-Prüfung überstehen und ist einfach nur
aus minderwertigen, billigsten Bauteilen zusammengeschustert, ohne
robuste Leistungsreserven.

Sorry, aber so ist es einfach.
kann ich eine Grundtendenz diesbezüglich ein weiteres Mal bestätigen.

Grüße
~BF~

EDV-Dompteur

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2

Mittwoch, 9. März 2016, 16:24

Ja, das stimmt schon.
Aber es gibt einen gewaltigen Unterschied zu dem, was ich auf meiner Infoseite über Lichteffekte beschreibe:
Ein funktionierendes "Lauflicht" ist für einen Schausteller absolut existenzwichtig!

Nehmen wir das "größte Volksfest des Nordens", den Hamburger DOM.
Die Behörde macht hier knallharte Vorschriften zur Beleuchtung. Ab soundsoviel Uhr muss Effektbeleuchtung eingeschaltet werden. Und die muss von der Behörde für ausreichend befunden werden. Also nur drei aktive Glühlampen, Rest aus (um Strom zu sparen) gilt nicht.

Wenn wegen eines Defekts die Beleuchtung ausfällt und ein Behördenmensch das mitbekommt, dann droht dem betroffenen Schausteller der Platzverlust - was zumeist seine Lebensgrundlage ist.
Eine defekte Lichtsteuerung kann einen Schausteller also ganz flott ruinieren!
Darum baue ich immer einen "Zwangs-Schalter" ein, mit dem man selbst im schlimmsten Fall, z. B. nach völliger Zerstörung der Elektronik durch Blitzeinschlag etc., zumindest alle Lampen einschalten kann.
Das schafft etwas Ruhe, in der dann die Elektronik repariert werden kann. Die Behörde wird zwar über das Dauerlicht meckern, aber deswegen nicht gleich die Platzerlaubnis entziehen.
Kein China-Gerät hat einen solchen Zwangsschalter! Da droht im Falle eines Defekts also tatsächlich Platzverlust!

Aus diesem Grund lege ich in solch sensiblen Bereichen erheblichen Wert auf maximale Zuverlässigkeit und regelrechte "Unkaputtbarkeit". Da muss alles kurzschlussfest sein, eine Verpolung überleben und so weiter.
Das Ding muss im tiesten Winter funtionieren und im heißesten Juli, unter einer Plane, auf die die pralle Sonne knallt.
Ist zwar "nur" eine Lichtsteuerung, aber ein Ausfall wäre halt akut existenzbedrohend.
Zudem macht es keinen Spaß, für einen Serviceeinsatz ganz adhoc von Hamburg nach Bayern zu düsen, wenn mal ein Defekt auftreten sollte.

Bei Deiner Heißluft-Lötstation sieht es anders aus.
Da kann man durchaus billig kaufen, sofern man sich des vertretbaren Risikos bewusst ist.
Wer eine Lötstation kauft, der sollte eigentlich in der Lage sein, Reparaturen daran selbst vorzunehmen. Zudem besitzt ein Elektroniker in der Regel nicht nur ein einziges Gerät; gilt erst recht für einen professionellen Lötfritzen.
Der Ausfall einer billigen Lötstation ist also maximal ärgerlich, aber nicht existenzbedrohend (sehen wir mal von akut gefährlichen Mängeln ab).

China-Kram ist oft dermaßen um Größenordnungen billiger, als Ware von etablierten Qualitätsanbietern, dass man bei vertretbarem Risiko durchaus zur Chinaware greifen kann und wird.
Aber wer blind, nur auf den Preis schielend, billigsten Schund kauft, wenn es wirklich um die Existenz geht, der macht etwas falsch.
Das tun die Leute ja nur mangels Wissens, worauf sie achten sollten. Und darum mein Infotext, um potenzielle Käufer zumindest zu sensibilisieren, dass da ein dicker Wolf hinter dem Busch lauern könnte.
Wer dann ein mulmiges Gefühl bekommt, den kann ich dann ja weiter beraten.

- Wobei ich meine Aktivitäten im Bereich Lichttechnik inzwischen im Grunde praktisch eingestellt habe. Die Leute haben keine Kohle mehr und kaufen praktisch nur noch China-Kram. Doch gegen diese Preise kann ich unmöglich anstinken. Da helfen auch all meine Beratungen nichts; die Leute geben für hochwertige, langlebige, robuste Technik kein Geld mehr aus.
Deswegen lohnt sich für mich auch keine aufwändige Forschung und Schaltungsentwicklung mehr, in diesem Bereich.

Durch den massiven Einsatz von LED-Leuchtmitteln haben sich meine Techniken zur schonenden Ansteuerung von Glühlampen ohnehin erledigt.
Doch billige LED-Leuchtmittel haben wieder so ihre Eigenarten ...
Eigentlich dürfte ein Schausteller die ganz billigen China-LEDs gar nicht kaufen, die sind reinster Schrott! Eine Power-LED im Glühlampensockel, für direkten 230V-Betrieb, zum Preis von rund 1,- EUR kann nichts taugen! Die wird mitunter schon von (ortsabhängig unterschiedlichen!) Rundsteuersignalen gegrillt, weil die Chinesen das Thema gar nicht auf dem Schirm haben. Aber genau die Dinger werden wie blöd gekauft.
Da könnte ich das genialste Lauflicht konstruieren, es gäbe dennoch hohen Verschleiß bei den LEDs, oder andere Probleme.
Wenn das sowieso unvermeidbar ist, dann gibt es aber auch keinen Grund mehr, für einen Schausteller, viel Geld für ein hochwertiges Steuergerät von mir zu investieren.
Ich müsste denen im Grunde den Einsatz billigster Leuchtmittel ausreden. doch das ist zwecklos, man hört nicht auf mich, weil der Preisunterschied gar zu gravierend ist.
Klar, denn wenn ein Laden komplett von Chinaware auf hochwertige Technik umgerüstet werden muss, dann ist eine Investition von tausenden Euronen fällig. Und dieses Geld haben die krauchenden Schausteller heutzutage nicht mehr.

Wir reden hier also über einen ganz anderen Fall, als bei Deiner 150,- EUR Lötstation.
Da kann man getrost zu Chinaware greifen und nimmt eventuell möglichen Ärger duldend hin.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

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3

Donnerstag, 10. März 2016, 08:57

Oh ok, hätte ich nicht gedacht, dass selbst die Beleuchtung der Schausteller von einer Behörde kontrolliert wird. Habe ich das richtig aufgeschnappt, dass sich heutzutage manche Schausteller dann lieber einen Vorrat an billig LED Leuchtmittel zulegen und regelmäßig nach Ablauf der (kurzen?) Lebensdauer diese austauschen? Traurig, dass Wertarbeit durch solche Marktentwicklungen nicht mehr rentabel ist ?-(. Was stellt das Hauptgeschäft des EDV-Domptuers in der heutigen Zeit dar, geht es mehr in Richtung Notebook-Reparaturen, oder gibt es immer noch die (spannende) Auftragsentwicklung von Elektronik?

EDV-Dompteur

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4

Donnerstag, 10. März 2016, 13:11

Habe ich das richtig aufgeschnappt, dass sich heutzutage manche Schausteller dann lieber einen Vorrat an billig LED Leuchtmittel zulegen und regelmäßig nach Ablauf der (kurzen?) Lebensdauer diese austauschen?
Die Schausteller steigen in erster Linie deshalb auf LEDs um, weil sie sich davon eine Reduzierung ihrer horrenden Stromkosten versprechen.
So kostet der Strom auf dem Hamburger DOM das Dreifache dessen, was ein Privathaushalt zahlt!

Ein weiterer Grund ist dieses unsägliche Glühlampenverbot (dazu könnte ich jetzt 'nen halbstündigen Rant abspulen!).

Ein dritter Grund ist die theoretisch weit höhere Lebenserwartung von LEDs.
Kleine Effekt-Glühlampen sterben nämlich wie die Fliegen. Insbesondere mögen sie keine Erschütterungen. Doch die sind gerade bei Schaustellern natürlich unvermeidbar.

Dummerweise halten die ultrabilligen 230V-LEDs aus China nicht unbedingt soooo wesentlich länger, wie erwartet.
Zwar machen Erschütterungen ihnen nichts aus, aber steuert man sie mit einem noch vorhandenen (für Glühlampen konstruierten) Ansteuergerät an, wo der Strom im Nulldurchgang der Netzwechselspannung geschaltet wird, dann quält das die LEDs gewaltig. Denn die Anpassung an die 230V erfolgt darin per simpler, kapazitiver Netzankopplung; also per Reihenkondensator. Doch der erzeugt eine Phasenverschiebung von 90 Grad, zwischen Spannung und Strom ...

Hinzu kommen die auf den 230V-Sinus aufmodulierten, höherfrequenten Rundsteuersignale. Diese passieren den Reihenkondensator mit besonderer Leichtigkeit und verursachen dabei nennenswerten Zusatzstress für die LEDs.

Ich hatte mal den Fall, dass ein Schausteller mich rief, um sein vermeintlich defektes Lauflicht zu reparieren. Gut die Hälfte seiner Beleuchtung war ausgefallen.
Doch vor Ort stellte ich fest, dass das Lauflicht OK war. Aber die Hälfte der LEDs war krepiert. Gute 200 Stück, würde ich mal aus dem Gedächtnis schätzen.

Bei einem (eigentlich rotzbilligen) Stückpreis von knapp über einem Euro, für die China-LEDs, also durchaus ein ärgerlicher Schaden, wegen der puren Menge der Ausfälle.
Der Kunde hatte einfach seine alten Glühlampen gegen LEDs ausgetauscht, aber sein altes Lauflichtgerät weiter verwendet.

Im Grunde hätte der Kunde also ein neues Lichtsteuergerät benötigt, das die LEDs besser schont. Aber unterhalb von 2000,- EUR hätte ich das nicht wirtschaftlich anbieten können. Selbst das wäre aus meiner Sicht noch ein echter Hungerpreis gewesen, wo noch immer gewisse Abstriche aus Preisgründen unvermeidbar gewesen wären. Ein wirklich optimales Gerät würde eher so 6000,- EUR kosten.

Tja, da blieb der Schausteller dann doch bei seinem alten Gerät und wechselt alle paar Tage 'ne Handvoll LEDs ...
Der plötzliche, enorm hohe Ausfall dürfte aber einmaliges Pech gewesen sein und mit den Rundsteuersignalen auf dem letzten Platz zurückzuführen sein, oder auf eine kurze Netzüberspannung. Weil Rundsteuersignale ortsabhängig unterschiedlich sind, hofft er jetzt auf allways good Rundsteuer!

Wenn er sich mal ein neues Gerät kauft, dann wird es wohl leider so ein China-Dingens sein, zu vielleicht 200,- EUR ...
Da werden die LEDs zwar weiterhin wie die Fliegen sterben, aber angesichts des Preisunterschiedes zu einem Gerät von mir, muss ich mich gar nicht abmühen, meine eigene Technik anzupreisen. Ich würde auf taube Ohren stoßen. Das bezahlt mir heute keiner mehr, angesichts der Konkurrenz aus China.

Lauflichtentwicklung biete ich daher inzwischen gar nicht mehr explizit an, denn die letzten Jahre habe ich kein einziges Gerät mehr an den Mann bringen können.


Was stellt das Hauptgeschäft des EDV-Domptuers in der heutigen Zeit dar, geht es mehr in Richtung Notebook-Reparaturen, oder gibt es immer noch die (spannende) Auftragsentwicklung von Elektronik?
Heute hat sich mein Geschäft (leider) deutlich in Richtung Notebook-Reparatur verschoben. Garniert mit gelegentlichen Service-Einsätzen außer Haus, vorrangig bei Schaustellern.

In näherer Zeit soll der Schwerpunkt aber allmählich wieder mehr zurück in Richtung Elektronik-Entwicklung gehen.
Wahrscheinlich auch in Richtung "technische Beratung", für Hersteller jedweder Geräte.
Die konstruieren sich nämlich gar nicht mal selten ziemlichen Murks zusammen, weil sie keine erfahrenen Konstrukteure haben.
Da will ich dann verstärkt die Dienstleistung anbieten, als externer Fachmann mal alles zu beäugeln und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten.
So nach dem Motto: "Vier Augen sehen mehr als zwei".

Ein Konstrukteur ist oftmals auch ziemlich "betriebsblind". Der denkt sich irgendwas bei seinem Design und kommt gar nicht auf die Idee, was für ein oftmals gewaltiges Potenzial an Verbesserungen besteht, wenn man ein paar Dinge nur etwas anders macht.

Wahrscheinlich habe ich (bzw. mein Alter Ego "Desi") Dir einen kleinen Eindruck davon vermitteln können, im Thread Leiterplatten-Entwurf - Tipps zum Einstieg .

Dabei besteht ein Gerät ja aus mehr, als nur der nackten Platine.
Da gehört z. B. ein Gehäusedesign dazu. Die Platine und andere Komponenten müssen einen Servicetechniker leicht zugänglich und schnell austauschbar sein. Konstruktionen wie Deine, mit vier Schrauben an den Platinenecken, sind zwar verbreiteter Standard, aus meiner Sicht aber reichlich suboptimal.

Es gibt ganz viel zu beachten, bei der Konstruktion eines realen Gerätes. Auch Umwelteinflüsse; Vibration, Stöße, Dreck, Hitze, Kälte, Sonnenlichteinfall, Manipulationen ... wollen bedacht werden. Da könnte ich jetzt ganze Romane schreiben!

Eine Konstruktion, die auf die Menschheit losgelassen werden soll, sollte daher mal von einem erfahrenen, externen (nicht betriebsblinden) Berater beäugelt werden, bevor alles in die Massenproduktion geht.
Diese Dienstleistung möchte ich künftig also verstärkt anbieten.
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Donnerstag, 10. März 2016, 13:25

In näherer Zeit soll der Schwerpunkt aber allmählich wieder mehr zurück in Richtung Elektronik-Entwicklung gehen.
Wahrscheinlich auch in Richtung "technische Beratung", für Hersteller jedweder Geräte.
Die konstruieren sich nämlich gar nicht mal selten ziemlichen Murks zusammen, weil sie keine erfahrenen Konstrukteure haben.
Da will ich dann verstärkt die Dienstleistung anbieten, als externer Fachmann mal alles zu beäugeln und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten.
So nach dem Motto: "Vier Augen sehen mehr als zwei".
Dankeschön für den interessanten Einblick :-). Durch deine lange Berufserfahrung und deine Art des sehr präzisen Analysierens und Ausdrückens wäre eine beratende Tätigkeit in diese Richtung sicher wie gemacht für dich! Ich wünsch dir diesbezüglich viel Erfolg!

Grüße
~BF~