Sie sind nicht angemeldet.

Leo

Bewährter User

  • »Leo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 199

Wohnort: Bayern

Beruf: Elektrotechniker

  • Nachricht senden

1

Donnerstag, 1. November 2018, 15:50

Netzteilfehler an Philips 32PFL3606H/12

Hi Leute,

hab hier mal wieder eine kuriosen Fehler an einem Netzteil (715G4801) von einem Philips 32PFL3606H/12 Fernseher.

Ich fange mal von vorne an:

Fernseher war von heute auf morgen Tod. Es brannte keine LED mehr und lies sich nicht mehr einschalten.
Die Sichtprüfung ergab, dass der Off-Line Switcher IC901 (TNY277PN-TL) verschmort war.
Daraufhin habe ich den erst mal ausgetauscht und dann gemessen wo ich den Spannung anliegen habe.

Wenn ich jetzt das Netzkabel einstecke und daran ein bisschen wackle, dann funkt es an der Feinsicherung F901
und an der Halbleiterdiode SG902 (GS41-201MA).

Durch das Wackeln, habe ich dann Spannung anliegen welche aber dann gleich wieder langsam abfällt.
Gemessen hab ich mal bis zu der Diode D917 (31DF6), habe aber aufgrund dem Wackelfehler nicht mehr weiter gemessen.

Anbei mal ein Video:

https://www41.zippyshare.com/v/HmFwdcyp/file.html

Jetzt ist die Frage, warum durch das Wackeln das Funken entsteht... ?-(

Versteckter Text Versteckter Text

Dieser Text wurde vom Autor versteckt.
Arbeite klug, nicht hart!

EDV-Dompteur

Administrator

Beiträge: 1 155

Wohnort: Hamburg

Beruf: Techniker

  • Nachricht senden

2

Donnerstag, 1. November 2018, 16:47

Offensichtlich hat die Feinsicherung schlechten Kontakt in ihrem Halter.

  1. Sicherung aus dem Halter nehmen, dann die Kontaktzungen des Halters per Zange zusammenbiegen (damit sie künfig stärker klemmen).
  2. Tropfen Kontaktspray druff (blaue Dose, nicht die rote! Aber gerne mit dem säurehaltigern, roten Zeug vorbehandeln, es muss anschließend aber wieder restlos abgewaschen werden!).
  3. Zuletzt die Sicherung in den nun prügelstramm klammernden Sicherungshalter wieder einsetzen.
Allgemein:
Dass Feinsicherungen in ihren viel zu locker klammernden Sicherungshaltern nur schlechten Kontakt haben, ist ein sehr sehr sehr häufiger Fehler.
Das Nachbiegen der Kontaktzungen bringt schon die große Wende. Zusammen mit Kontaktspray wird es dann richtig tadellos gut. Denn nicht selten oxidieren die Kontaktzungen, was die Kontaktsicherheit zusätzlich verschlechtert. Kontaktspray löst den Oxidkram.

Das blaue Kontakt 61 löst leider kaum was von dem Oxidkram, bewirkt aber dennoch ein besseres "Flutschen" und erhöht die Kontaktsicherheit.
Das rote Kontakt 60 löst den Oxidkram wesentlich besser, muss aber wegen dem Säuregehalt wieder runter, nach der Anwendung.
Darum empfehle ich die Vorbehandlung mit dem aggressiven Kontakt 60, gefolgt von einer Spülung und gefolgt von der Anwendung des milden Kontakt 61.


Nun zur Diode D917:
Tjo, die ist wohl hinüber ...
Rauslöten, durchmessen, für defekt befinden, austauschen.

Ich kann die Schaltungstechnik anhand des Layouts nicht nachvollziehen, aber grundlegend ist es so, dass Dioden keine beliebig steile Stromanstiegsgeschwindigkeit verkraften. Also dieses Delta I geteilt durch Delta t.
Durch das Gebrutzel wurde die Diode wohl tausende Male mit abrupten Stromänderungen konfrontiert, was sie dann überfordert hat.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

- Technische Fragen zu Eigenreparaturen bitte nur öffentlich im Forum stellen! -
- Bitte nicht per E-Mail, oder Telefon nach Reparaturtipps fragen! -

Leo

Bewährter User

  • »Leo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 199

Wohnort: Bayern

Beruf: Elektrotechniker

  • Nachricht senden

3

Donnerstag, 1. November 2018, 17:10

Danke für die Hilfe, werde ich umsetzen und berichten.

Nur mit der Diode SG902 (oder was das auch immer sein soll) hab ich das Problem, diese zu kaufen.

Laut dem folgendem Datenblatt ist es ein Spark Gap, also Funkenstrecke übersetzt.

https://encompass.com/item/8097707/Phili…200V_Gs41-201ma

Eine Versanddauer von 100 Tagen ist ja mal mega unterirdisch...
Arbeite klug, nicht hart!

EDV-Dompteur

Administrator

Beiträge: 1 155

Wohnort: Hamburg

Beruf: Techniker

  • Nachricht senden

4

Donnerstag, 1. November 2018, 18:57

Ah ja, stimmt, das macht Sinn!
Ich hatte Deinem Text im Startposting blind vertraut, wonach es sich um eine Diode handeln würde. Aber im Bestückungsaufdruck ist ja gar kein Diodensymbol angegeben.
OK, also eine Spark Gap.

Farnell.de ist mit solchem Zeugs gut ausgestattet und liefert schnell.
Da würdest Du sicher einen Ersatztypen finden.

Aber vergiss es, denn aufgrund der neuen Erkenntnis muss dieses Teil gar nicht ausgetauscht werden!
Denn wie man in Deinem Video sieht, funktioniert die Gap bestens.

Was tut das Ding?
- Nun, Du könntest mal per Bildverarbeitungsprogramm Bestückungsaufdruck und Layout (gespiegelt und halbtransparent) deckungsgleich übereinander setzen. Dann würde sich wohl offenbaren, dass die Gab Spannungsspitzen, die einer der Trafos L901 / L902 erzeugt, wegschlucken soll.
Wann entstehen solche Überspannungen?
- Tja, genau dann, wenn es brutzelt.

Spulen erzeugen genau dann eine hohe Übrspannung, wenn der Strom durch sie abrupt unterbrochen wird.
Und genau das ist ja der Fall gewesen.
An der Sicherung gab es schlechten Kontakt und hat gefunkt wie blöd. Dadurch erzeugte einer der Trafos Überpannung und die Spark Gap hat das - im Rahmen ihrer Möglichkeiten - weg geschluckt.


Fazit: Du brauchst Dich nur um die Sicherung zu kümmern. Die muss guten Kontakt geben und fertig. Dem Stromzufuhr-Stecker kannst Du auch gerne etwas Kontakt 61 verpassen, damit es auch da nicht so dolle knistert, beim Wackeln.
Die Gap wird OK sein.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

- Technische Fragen zu Eigenreparaturen bitte nur öffentlich im Forum stellen! -
- Bitte nicht per E-Mail, oder Telefon nach Reparaturtipps fragen! -

Leo

Bewährter User

  • »Leo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 199

Wohnort: Bayern

Beruf: Elektrotechniker

  • Nachricht senden

5

Donnerstag, 1. November 2018, 20:32

Ok das mit der Sicherung passt jetzt, danke :-)

Jetzt messe ich vor dem Brückengleichrichter BD901
230V AC und nach dem Brückengleichrichter 332V DC.
Ist das normal?
Arbeite klug, nicht hart!

EDV-Dompteur

Administrator

Beiträge: 1 155

Wohnort: Hamburg

Beruf: Techniker

  • Nachricht senden

6

Donnerstag, 1. November 2018, 21:43

Jetzt messe ich vor dem Brückengleichrichter BD901
230V AC und nach dem Brückengleichrichter 332V DC.
Ist das normal?
Ich dachte, Du bist Elektrotechniker? :078:

Basics: Hinter einem Brückengleichrichter mit Elko stellt sich folgende Gleichspannung ein:
AC * sqr(2) - 2 * 0,7V

AC ist 230V.
Diese Spannung mit Wurzel(2) multiplizieren.
Zuletzt die Flussspannung von zwei Dioden abziehen.
Ich komme da rechnerisch auf 323,87V DC. Also nahe an Deinem Messergebnis.

Warum nicht exakt Dein Messergebnis?
1) Weil Dein AC vermutlich nicht ganz exakt 230V ist und nicht exakt sinusförmig.
2) Unbedeutend: Weil obige Formel es sich eine Spur zu einfach macht. Die volle Wahrheit ist komplexer, ändert aber nur wenig am Ergebnis.
3) Weil die Spannung hinter dem Gleichrichter nicht vollkommen glatt ist, sondern Rest-Ripple aufweist, in Abhängig vom gezogenen Strom.

- Wobei die Schaltung wohl gerade praktisch keinen Strom zieht, sonst wäre Deine gemessene Spannung tiefer.
Aber wie schon so oft betone ich: "Wer misst misst Mist!"
Wahrscheinlich hast Du wieder mit Deinem Multimeter gemessen. Das Ding erwartet in der Einstellung "DC" eine popoglatte Gleichspannung. Du fütterst es aber mit einer rippeligen Spannung. Da kann man nicht erwarten, dass das Multimeter die pure Wahrheit anzeigt.

Etwas Differenz zwischen Messung und Rechnerei ist also normal.
Als Faustformel multipliziert man einfach die AC-Spannung mit dem Faktor 1,4. Das Ergebnis von 322V ist etwas kleiner als der tatsächliche Wert, aber hinreichend nah an der Wahrheit und viel einfacher, als der Kram mit Wurzel(2).
Ich multipliziere sogar gerne mit 1,5 (Resultat: 345V). Das kann man dann im Kopf rechnen und es ist klar, dass das ware Resultat etwas geringer sein muss.
Aber mit 1,5 multipliziert hat noch einen Vorteil, wenn man die erforderliche Spannungsfestigkeit nachgeschalteter Bauteile berechnen will. So hat man etwas Sicherheitsreserve.

Die Flussspannung der jeweils zwei aktiven Dioden im Brückengleichrichter hat bei 230V Eingangsspannung nur unwesentlichen Einfluss auf das Ergebnis.
Hinter einem 6V-Trafo sähe das natürlich anders aus, da darf man die Dioden nicht einfach unter den Tisch fallen lassen.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

- Technische Fragen zu Eigenreparaturen bitte nur öffentlich im Forum stellen! -
- Bitte nicht per E-Mail, oder Telefon nach Reparaturtipps fragen! -

Leo

Bewährter User

  • »Leo« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 199

Wohnort: Bayern

Beruf: Elektrotechniker

  • Nachricht senden

7

Freitag, 2. November 2018, 08:48

Ok danke für die Aufklärung.
Wenn man mit der Materie schon etliche Jahre nichts
mehr zu tun hat, insbesondere Elektronik, dann kommt man
halt irgendwann raus und muss das Radfahren neu lernen.
Das was ich damals in der Technikerschule gelernt hatte
brauchte ich bis jetzt eigentlich nicht mehr.
Arbeite klug, nicht hart!