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Dienstag, 5. Februar 2019, 13:30

MSI GS70 Bildschirm-Rahmen "platzt" auf

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe nun schon seit einiger Zeit ein kleines Problemchen mit meinem MSI GS70 "Stealth Pro" Notebook. Das Problem lautet wie folgt:

Immer wenn ich meinen Laptop aufklappe, biegt sich auf der rechten unteren Seite die Verdeckung nach vorne und es beginnt zu knacksen. Im Anhang finden Sie Bilder zu diesem Spektakel.

Wie Sie hoffentlich sehen können, biegt sich dieses silberne Stück nach außen und geht nicht fließend mit nach hinten. Dies führt dazu das sich der Rahmen aus seiner Verankerung hebt und eine Beule entsteht.
Wenn ich nun das Notebook schließe, knackt es einmal laut und das silberne Stück ist da wo es hingehört. (Es knackt, da das Stück in seine eigentliche Position fällt.)

Sie werden sich nun vielleicht fragen wie denn sowas sein kann, ich ließ das Notebook in meiner Unachtsamkeit auf einen Sitz fallen aus welchem es sogleich heraus sprang. :'-(

Nun wollte ich Sie, liebe Damen und Herren, fragen ob dieses Problem den überhaupt lösbar ist. Wenn dies der Fall ist, würde ich Sie bitten mir zu helfen. (ohne zu einer Reparatur zu fahren und Unsummen an Geld auszugeben...)




Ich bedanke mich Vielmals für das aufmerksame Lesen und hoffe so bald wie möglich Hilfe zu bekommen.




Mit freundlichen Grüßen




HollyMolly
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  • Laptop 1.jpeg (72,91 kB - 17 mal heruntergeladen - zuletzt: 15. März 2019, 06:16)
  • Laptop 2.jpeg (50,51 kB - 13 mal heruntergeladen - zuletzt: 19. März 2019, 14:19)
  • Laptop 3.jpeg (75,41 kB - 12 mal heruntergeladen - zuletzt: 15. März 2019, 10:09)

EDV-Dompteur

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2

Dienstag, 5. Februar 2019, 15:20

Sehr geehrte Damen und Herren
Och nöö, doch nicht so förmlich!
In Internet-Foren - speziell natürlich in diesem ganz besonders netten hier - ist die "Du-Form" gemeinhin etabliert und einfach passender!


Immer wenn ich meinen Laptop aufklappe, biegt sich auf der rechten unteren Seite die Verdeckung nach vorne und es beginnt zu knacksen.
Ungefähr sieben von 10 Geräten, die ich auf den Tisch kriege, haben "nebenbei" auch solche Bruchschäden.
Meistens zwar nicht so stark ausgeprägt, aber gar nicht mal selten eben doch. Oder sogar noch krasser ausgeprägt, mit vollständigem Herausbruch.


Sie werden sich nun vielleicht fragen wie denn sowas sein kann, ich ließ das Notebook in meiner Unachtsamkeit auf einen Sitz fallen aus welchem es sogleich heraus sprang. :'-(
Bei manchen Modellen tritt der Effekt sogar schon vom bloßen Aufklappen des Deckels auf, nachdem das Gerät die Garantiezeit überstanden hat und inzwischen genügend Weichmacher aus dem Kunststoff entwichen ist.
Die billigen Modelle von Lenovo sind da besonders häufig betroffen, Schau mal hier (eines meiner ersten Postings, nach Start des Forums):
Reparatur Lenovo G575 mit Gehäusebruch

Gegenüber damals bin ich mit der Zeit aber auch schlauer geworden und habe inzwischen bessere Techniken auf Lager. Ich wollte darüber schon lange mal einen ausführlichen Tread schreiben und auch ein Video aufnehmen, aber es scheiterte an der Zeit.
Ein paar Worte habe ich aber hier darüber verloren:
Gehäusebruch stabil reparieren

sowie, längere Ergüsse (leider ohne Bilder), hier:
HP Envy Deckel lässt sich nicht schließen

Nun ein paar ergänzende Zeilen:
Abweichend von meinem Uralt-Posting betreffs Lenovo G575, empfehle ich (schweren Herzens!) diesen Klebstoff:
JB Weld
Warum schweren Herzens?
- Weil der aus dem Land der unbegrenzten Dachschäden kommt. Und weil ich der Meinung bin, dass man von dort möglichst nichts kaufen sollte.

Warum empfehle ich diesen Kleber dennoch?
- Weil ich im Laufe der Jahre etliche Klebstoffe getestet habe. Sogar regelrechte Testreihen habe ich gefahren, mit Fokus auf Gehäusereparatur von Notebooks. So richtig mit vergleichender Kraftmessung per Digitalwaage und so.
Eindeutiger Testsieger in jeder Hinsicht war der JB Weld. Und zwar der normale (oben verlinkte) JB Weld; ausdrücklich nicht die Variante "Kwik" von der selben Firma, oder eine der anderen Varianten dieser Firma (die allesamt "JB Weld" irgendwo mit auf der Verpackung stehen haben), sondern genau der oben verlinkte.

Der Kleber benötigt geschlagene 24 Stunden für die Aushärtung und in aller Regel braucht man zwei oder drei Schichten, bis alles gut ist. Fast immer liegt zwischendurch noch Nacharbeit per Dremel und Fräser an, um überschüssiges Material zu beseitigen, dort wo es mechanisch stört.
Im Gegensatz zu 08/15 Epoxidkleber, den man gegebenenfalls mit Heißluft-Unterstützung (ca. 120 Grad) wieder entfernt kriegt, hat man bei JB Weld keine andere Chance, als das Zeug, dort wo es stört, weg zu fräsen! Die Endfestigkeit ist enorm, die Temperaturbeständigkeit liegt deutlich über der Schmelztemperatur von Lötzinn und darüber hinaus ist der Kleber auch noch Chemikalien-beständig.

Die 24 Stunden Aushärtzeit mögen lästig sein, aber andererseits resultiert daraus auch eine angenehm hohe Verarbeitungszeit (mindestens 20 Minuten, eher sogar mehr, abhängig von der Raumtemperatur), die man bei der Reparatur von Gehäuseschäden auch gut gebrauchen kann.
Der Untergrund sollte zuvor noch gründlich gereinigt und möglichst aufgeraut werden, um maximale Haltekraft zu erzielen. Andernfalls würde der steinharte Kleber später im Stück vom Gehäusekunststoff abplatzen, wenn das Gehäuse Biegekräften ausgesetzt wird.

Es wird bei Dir wohl nicht notwendig sein, aber es sei dennoch erwähnt: Hier und da verarbeite ich gerne auch noch Stützelemente aus Carbonfaser-Profil, oder ich arbeite Aramidgewebe (Kevlar) mit ein, manchmal in Kombination mit Schmelztechnik; siehe dieses Video:
#002 Notebook-Gehäusebruch stabil reparieren

Zum Anrühren sei noch erwähnt, dass es vorteilhaft ist, etwas mehr Binder zu nehmen, als Härter!
Überwiegt der Härter auch nur eine kleine Spur, dann leidet die Endfestigkeit deutlich!
Wohingegen der Binder sogar sehr deutlich überwiegen kann, ohne dass es spürbare Auswirkungen hätte.

Beim Einkleben der Gewindemuttern (Micro-Burbs, Inserts ... und wie sie sonst noch heißen) ist tunlichst darauf zu achten, dass kein Klebstoff in den Gewindegang gelangt!
Das gewährleistet man, indem man zuvor die Schraube einfettet und bis unten hin eindreht. Nur für die Zeit der Aushärtung, versteht sich, anschließend wird die Schraube wieder heraus gedreht.
Aber achte darauf, dass die Muttern außen kein Fett abkriegen! Nicht die kleinste Spur! Auch nicht von fettigen Fingern!

Folge mal allen Links, dann hast Du weitgehend alles gesehen/gelesen, was ich diesbezüglich an bewährten Techniken auf Lager habe.
Generell ist jeder Bruchschaden anders und individuell zu verarzten. Meine heutigen Techniken zielen darauf ab, alles so zu reparieren, dass man erstens von außen nichts sieht (im Gegensatz zu Kollegen, die das Gehäuse durchbohren und mit durchgehender Schraube plus Mutter arbeiten) und dass man zweitens alles jederzeit wieder zerlegen und einzelne Teile austauschen kann.
Ich kleistere also nicht einfach alles mit Kleber voll, sondern das Gehäuse lässt sich nach meinem Eingriff genauso öffnen und die Scharniere lassen sich genauso abschrauben, wie vor meinem Eingriff.
- Das war in meinem alten Posting zum Lenovo G575 noch anders, denn zu der Zeit hatte ich Scharniere stets noch mit dem Gehauseteil verklebt, zusätzlich zur Verschraubung. Damals war das aber auch erforderlich, weil ich damals den JB Weld noch nicht kannte und mein "altes" Epoxid nicht ausreichend hart wurde, um die Muttern zuverlässig stabil zu fixieren.

Übrigens wäre ich nicht abgeneigt, wenn Du mir für dieses doch recht lang gewordene Posting 1-2 Tubenpaare JB Weld spendieren würdest, wenn Du denn eh schon welches bestellst. Mein Vorrat ist nämlich gerade hart am Ende.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

- Technische Fragen zu Eigenreparaturen bitte möglichst öffentlich im Forum stellen! -
Telefonische Reparaturtipps sind ab sofort kostenpflichtig, siehe hier:
https://www.edv-dompteur.de/forum/index.…ad&threadID=504

3

Dienstag, 5. Februar 2019, 17:00

Danke danke lieber EDV-Dompteur für diese sehr ausführliche Nachricht!

Trotzdem muss ich noch einmal dumm fragen, da ich mir nicht ganz sicher bin.

Also sollte ich das silberne Stück, welches so heraussteht einfach an den Laptop-Deckel kleben und dann den Rahmen nochmal darauf?
Oder hab ich was falsch verstanden?

Danke nochmal für all deine Tipps und Kniffe!


Mit freundlichen Grüßen


HollyMolly

EDV-Dompteur

Administrator

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4

Dienstag, 5. Februar 2019, 20:09

Also sollte ich das silberne Stück, welches so heraussteht einfach an den Laptop-Deckel kleben und dann den Rahmen nochmal darauf?
Das wäre zwar eindeutig der einfachste Weg, aber nicht der von mir empfohlene. Denn das "silberne Stück" ist einer der Scharnierflügel. Wenn Du den mit dem Gehäuse verklebst, dann kriegst Du das nie wieder auseinander. Und dann wäre es echt doof, wenn Dir später mal die (recht filigrane) Metallstrebe des Scharniers bricht, oder wenn das Display ausgetauscht werden muss.
Ein Scharnier kann man für unter 10,- EUR nachkaufen. Aber wenn das Ding mit dem Gehäuse verklebt ist, dann wird es richtig problematisch und wahrscheinlich auch teuer, wenn man da noch einmal bei muss und alles ein einziges, untrennbar miteinander verklebtes Konglomerat ist.

Mein empfohlener Weg daher:
  1. Gerät zerlegen.
  2. Die zu klebenden Stellen reinigen (Achtung, Wasser diffundiert in den Kunststoff ein! Gründlichst trocknen, nicht bloß oberflächlich!) und die Oberflächen der Klebestellen mit akkribischer Geduld großflächig aufrauen, ohne dass auch nur die kleinste, glatte Stelle übrig bleibt!
  3. Die Micro-Burbs (Muttern) wieder einkleben (und zwar perfekt ausgerichtet und in korrekter Höhe!!!)
  4. Alle Hohlräume ebenfalls mit JB Weld auffüllen (aber zuvor dreimal vergewissern, dass das Zeug an der jeweiligen Stelle nicht stört, beim späteren Zusammenbau!).
  5. Nach dem Aushärten die rekonstruierte Auflagefläche für den Scharnierflügel plan schleifen, so dass er später auf einen soliden, ebenen "Klotz" geschraubt werden kann.
  6. Die letzten beiden Schritte gegebenenfalls ein zweites und drittes Mal wiederholen, bis alles perfekt ist.
  7. Zuletzt kann das Scharnier wieder ganz normal angeschraubt und das Gerät wieder zusammengebaut werden.
Es ist wichtig, dass die Auflagefläche für den Scharnierflügel wirklich bestens eben ist und nichts "kippelt". Andernfalls ruckelt Dir nach mehrmaligem Öffnen/Schließen des Deckels alles wieder los und bricht erneut.

In der Summe verschlingt die Aktion durchaus ein paar Stunden Arbeit und zieht sich über mindestens zwei Tage hin, wegen der langen Aushärtzeit des Klebers.
Aber im Anschluss hat alles gut und gern die dreifache Festigkeit, verglichen mit einem Neugerät!
Du wirst das merken - in den Gehäusekunststoff kann man mit wenig Kraft per Schraubendreher eine Kerbe eindrücken. JB Weld hingegen, erreicht eine Härte, die an einen Kieselstein erinnert. Da kann man im wilden Wahn kraftvoll mit dem Schraubendreher drauf einhacken, ohne nennenswerte Oberflächenschäden zu bewirken. Kein Vergleich, zu normalem Epoxidharz!
Aber trotzdem würden die Muttern wieder heraus brechen, wenn der Schrnierflügel nicht plan aufliegt und kippelt Oder wenn Du die Schrauben nicht fest genug anziehst und sich dadurch alles los ruckelt. Oder wenn Du die Schrauben - im Gegenteil - mit gar zu brutaler Kraft anziehst.
Das rechte Maß ist gefordert! "Nach fest kommt ab" ...
Wo immer möglich, ersetzte ich die super kurz geratenen Micro-Burbs durch längere Ausführungen, die viel mehr Halt geben. Im Deckelteil geht das aber meistens nicht, sondern nur im Unterteil.

Bevor der Kleber zum Einsatz kommt, muss alles bestens durchdacht sein und alle benötigten Materialien müssen unmittelbar griffbereit liegen!
Sorge für reichlich Licht und eine gute Lesebrille!
Wattestäbchen und Küchentücher sollten parat liegen, um herumvagabundierenden Kleber zu bändigen.
Einerseits sollen tunlichst alle Hohlräume mit Kleber ausgefüllt werden, andererseits gibt es auch Stellen, bei denen man erst beim Zusammenbau bemerkt, dass dort der Kleber nicht hingehört hätte. Beachte auch die Kabelführung, bevor Du anfängst, alles mit Kleber vollzukleistern!
Darum nur dann an die Arbeit machen, wenn Du maximal wach im Kopf bist und jeden einzelnen Handgriff im Voraus voll durchdenken kannst!

JB Weld ist nach dem Aushärten wirklich steinhart. Da rächt sich jeder kleinste Fehler ganz bitterlich!
Eine Dremel (bzw. eine Alternative von Aldi, oder so) und gute Fräser solltest Du zur Verfügung haben, denn um Nacharbeit an der ausgehärteten Klebemasse kommt man kaum herum.

Und "massiere" den Kleber regelrecht in die aufgeraute Oberfläche hinein! Nur dann benetzt er gut.
JB Weld fließt nämlich nicht, sondern ist nach dem Anrühren relativ zäh pastös. Locker irgendwo hin gespachtelt dringt er nicht gut genug in die aufgeraute Struktur ein.
Wattestäbchen, Zahnstocher, Streichhölzer sind hilfreich, um das Zeug dorthin zu bekommen, wo es hin muss.

Und eine Warnung:
Ein typischer Fehler ist der, dass die rekonstruierte Auflagefläche für die Scharnierflügel zu hoch sitzt. Dann lassen sich später die Gehäuseschalen nicht mehr ohne Spalt zusammen schrauben,
Ein anderer, ebenfalls typischer Fehler, ist der, dass der Winkel der Auflagefläche nicht stimmt. Dann kann es passieren, dass man nach der Endmontage den Deckel nicht mehr ganz zuklappen kann.
Es ist also wirklich größte Sorgfalt geboten, sowie ein permanent maximal eingeschaltetes Hirn, sonst gibt es böse Überraschungen!

Die Chinesen sagen: "Sieben Mal messen, einmal schneiden!"
- Und das gilt heutzutage auch für das Kleben!
Wenn JB Weld korrekt verarbeitet wurde, dann kriegst Du den wirklich nicht mehr ab! Kriegst Du ihn doch noch ab, dann war er nicht korrekt verarbeitet!
Der Einsatz ist also genauso endgültig, wie das Schneiden.

Ich glaube, jetzt habe ich alle nötigen Warnungen ausgesprochen.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

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Mittwoch, 6. Februar 2019, 13:40

Danke für all deine Tipps, ich werde es in den kommenden Tagen einmal probieren und dann meine Erfahrungen!