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Samstag, 23. Mai 2020, 12:02

Clevo P771ZM / Schenker XMG U705 - vermutl. Grafikkarte defekt oder mehr?

Hallo zusammen,

ich habe ein wenig passiv mitgelesen hier und mich heute wegen meines Problems registriert. Vorab: Hut ab für den EDV-Dompteur, so filigranes Wissen bzw. die Mühe die hier im Forum dargestellt wird, ist heutzutage sehr selten. Bisher habe ich keinen einzigen Betrieb gefunden, der überhaupt bereit war, am Notebook herumzulöten oder elektronische Bauteile zu testen, geschweige denn zu wechseln. Hierbei wäre mir ggf. jemand aus der Familie behilflich (Elektroingenieur der in seiner Kindheit genau so Frikkelkrams gemacht hat). Ich selbst habe auch ein bisschen Erfahrung, allerdings nicht so tiefgreifend, eher grundlegend. Nun aber zu dem Problem:

System:

- CLEVO P771ZM-Barebone 17“
- Intel i7-4790k CPU
- GeForce 980m GTX
- 16 GB RAM
- 1x SSD, 2x HDD

Das P771ZM ist jetzt knapp 5 Jahre alt, hat dann als ich es gerade herunterfahren wollte, plötzlich selbst komplett ausgeschaltet. Kein Mucks mehr. Vorher keinerlei Anzeichen, alles ging bis zu dem Zeitpunkt mit voller Power und ohne Probleme. Notebook ließ sich nicht mehr einschalten, man vernahm lediglich ein ganz kurzes „Klick-Geräusch“ vermutl. vom Netzteil, sobald man den Power-Knopf drückt. Nach mehreren Versuchen ging die LED am Netzteil dann auch aus. Also alles vom Netz getrennt, etwas gewartet, und nun zur Fehlersuche:

Basics:
- am Sicherungskasten der Wohnung: keine Sicherung geflogen, alles ok
- sofern man nur an die Steckdose anschließt und nicht einschaltet, sieht man die Status LEDs am Gehäuse für „Anschluss am Netz“ (orange) und „Akku wird geladen“ (erst orange, kurz später grün - vermutlich weil für das Testen teilweise der Akku minimal entladen war). Am Netzteil ist die LED grün.
- an andere Steckdose angeschlossen: negativ (selbes Verhalten wie oben beschrieben, kurzes Klicken, mehr nicht - keine LED an, keine Lüfter etc.; bei allen Folgetests bis auf den letzten gleiches Verhalten, daher nicht mehr separat beschrieben)
D

- Akku raus, nur am Netzteil angeschlossen: negativ
- Akku rein, Netzteil ab: negativ (hier erst nach drei Sekunden gedrückt halten des Power-Knopfs das Klicken, bei Akkbetrieb funktioniert der Power-Knopf genau so, also mit der Verzögerung, das ist OK)

Gehäuse öffnen:
- optisch alles i.O., wobei am Gehäusedeckel leichte Verfärbung sichtbar (auch in der Nähe des später gefundenen Fehlers). Auf den Bauteilen keine Verfärbungen sichtbar. Keine Staubansammlungen (SSD teilweise Staubflocken, Kühlrippen und Lüfter sauber (diese reinige ich quasi jedes Jahr mal sporadisch)
- alle HDDs/ SSD entfernt: negativ
- RAM entfernt: negativ (hierfür musste ich gleichzeitig auch das Keyboard teildemontieren)
- CMOS- Knopfzelle entfernt: negativ
- kein optisches Laufwerk vorhanden

Kühlsystem demontieren für Zugriff auf CPU/ GPU:
- Grafikkarte (Position dort, wo Gehäusedeckel leicht verfärbt) minimalst mit Verfärbung, Bauteile sehen alle OK aus
- CPU ebenfalls ohne Verfärbung
- Grafikkarte entfernt: positiv (Startknopf drücken führt zum „Hochfahren“, d.h. Status LEDs gehen an, Lüfter drehen an, da Kühlsystem demontiert nach ein paar Sekunden auch hohe Lüfterleistung; BIOS piepst kurz später, vermutlich weil Grafikkarte fehlt)

Während der Tests nirgendwo Lichtblitze oder gar Lichtbögen sichtbar, kein Geruch von Verschmorung o.ä.

Daher starke Vermutung ohne irgendwas durchzumessen:
- Netzteil Ok
- Mainboard OK
- CPU OK
- restliche Bauteile vermutlich auch
- Grafikkarte defekt (Kurzschluss irgendwo?)

Interessant ist, dass die Sicherheitsmechanismen scheinbar so gut bei dem Notebook sind, dass der Kurzschluss sofort zum unverzögerten Abschalten des Notebooks führten und dieses auch vor erneuter Stromaufnahme bewahrten.

Da kein Betrieb hier sowas macht, habe ich nun ein Multimeter bestellt, sowie eine neue Grafikkarte in China geordert (preislich einzige sinnvolle Alternative mit immer noch gut 250 EUR). Diese kommt Juni/ Juli voraussichtlich hier an.

Ich habe mal ein paar Bilder insbesondere der Grafikkarte angehangen, vielleicht könnt Ihr mir sagen, wo genau ich noch was testen sollte (die Tutorials hier beziehen sich ja auf Mainboard-Testing, was in diesem Fall scheinbar noch Ok ist (??).

Bei den Bildern ist eines wo man den MXM-Slot ohne Grafikkarte sehen kann (die liegt quasi „daneben“); unter der Grafikkarte ist ein separater Verbund aus Kupferplatte (?) und Distanz-Pads; meine Vermutung war, dass diese evtl. Kontakt zum Board bekommen hat und dadurch dort ein Lichtbogen/ Beschädigung entstanden ist. Allerdings wegen der Distanzpads doch eher unwahrscheinlich?

Auf dem Video sieht man die Grafikkarte und wie ich dort zeige, dass ich die Bronze/ bräunlichen Stellen an den elektrischen Bauteilen mit dem Nagel „wegkratzen“ kann, der Elektroingenieur meinte, das könnten auch normale Wärmeerscheinungen sein (die 980m hat eine TDP von ca. 100 Grad Celsius!)

Neues Highend-Book macht vermutlich erst ab Ryzen 4000er bzw. 10990k CPU mit 2070 Super Sinn; aber hier sind derzeit auch extreme Lieferengpässe seitens Clevo vorhanden.

Besten Dank im Voraus für Deine/ Eure Hilfe!
»The_Avatar« hat folgende Bilder angehängt:
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Samstag, 23. Mai 2020, 13:08

P.S.: da ich mein Originalpost nicht bearbeiten konnte: Grafikkarte bei <100 Grad im Ofen aufbacken hat ebenso zu keiner Besserung geführt ;-) und sofern nicht im Posting ersichtlich, nach erneutem Einstecken der Grafikkarte geht das Notebook wieder nicht an, weshalb ich eben von der defekten Grafikkarte ausgehe

EDV-Dompteur

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Samstag, 23. Mai 2020, 17:20

Wilkommen im Forum, The_Avatar!

Schön aufbereitetes Posting, mit ausreichend Informationen, um Deinen Fall direkt und ohne Rückfragen beurteilen zu können. :562:

Daher starke Vermutung ohne irgendwas durchzumessen:
- Netzteil Ok
- Mainboard OK
- CPU OK
- restliche Bauteile vermutlich auch
- Grafikkarte defekt (Kurzschluss irgendwo?)
Alles korrekt.
Die Grafikkarte ist der Übeltäter.


meine Vermutung war, dass diese evtl. Kontakt zum Board bekommen hat und dadurch dort ein Lichtbogen/ Beschädigung entstanden ist.
Neee, so etwas habe ich noch nie erlebt, das vergessen wir mal ganz schnell.


Auf dem Video sieht man die Grafikkarte und wie ich dort zeige,
Welches Video?


Grafikkarte bei <100 Grad im Ofen aufbacken hat ebenso zu keiner Besserung geführt ;-)
Die Methode ist ohnehin Murks, auch wenn man immer wieder im Internet davon liest.
Davon abgesehen:
Deine Angabe "Über 100 Grad" kann zwar alles bedeuten, inklusive 780 Millionen Grad, aber unterhalb der Schmelztemperatur des Lots ist die Maßnahme komplett wirkungslos.
Und sehr dolle darf man die Schmelztemperatur auch nicht überschreiten. Das zudem tunlichst auch nicht zu lange.
Und wenn das Lot schmilzt, dann ist Flux erforderlich, um die entstehende Lot-Schlacke wieder in blankes, flüssiges Metall umzuwandeln. Ohne Flux vergrößert man das Problem nur, weil man damit sogar noch gutes Lot in Schlacke verwandelt.

Es gibt aber sowieso nur einenen einzigen Fehlerfall, wo das "Backen" überhaupt zum Erfolg führen kann; nämlich dann, wenn der Grafikchip "Ripp-up" hatte, also sich einzelne Pads vom Mainboard gelöst haben.
So ein Fehler liegt bei Dir aber nicht vor, sondern Du hast es mit einem Kurzschluss zu tun. Die Backofen-Methode kann daher bei Dir eh keine Verbesserung bewirken, selbst wenn Du alle Parameter für ein ordnungsgemäßes Reflow perfekt einhalten würdest.


Bei Dir sitzt der Kurzschluss hinter einem der Schaltwandler auf der Grafikkarte.
Das "Ticken" kommt daher, dass beim Einschaltversuch die zum Schaltwandler zugehörige Spule einen kurzen Strompuls erhält. Der magnetostratische Effekt des Ferrits führt dann zu einem hörbaren "Tick".

Typische Kurzschluss-Ursachen sind generell: Kerkos, MOSFETs und in Deinem Fall der Grafik-Chip.
Der Kurzschluss sitzt bei Dir hinter dem Schaltwandler. Erkennbar daran, dass der Kurzschluss erst im Einschaltmoment zuschlägt. Hinter den Wandlern gehen Kerkos nur selten kaputt, weil dort die Spannung geringer ist. Mechanischer Stress, der einen Kerko knacken könnte, ist auf der Grafikkarte auch eher nicht zu befürchten. Klammern wir Kerkos also mal aus.

An einem defekten MOSFET kann ich bei Dir ebenfalls nicht glauben. Da käme bei Dir nur eine Niederohmigkeit des Low-Side-MOSFETs in Betracht. Aber wenn der niederohmig ist, dann rauscht der Hauptstrom ja an der Spule vorbei, da kann sie gar nicht großartig ticken (Ausnahme: Wenn der MOSFET nicht satt, sondern nur mittelmäßig niederohmig ist).

Als wahrscheinlichste Fehlerquelle tippe ich daher auf den Grafik-Chip.
Das wäre ein durch Dich selbst nicht behebbarer Fehler.
Ich mache das übrigens auch nicht, wegen zu viel Arbeit und Materialkosten, bei zu hoher Wahrscheinlichkeit, dass es später erneuten Ausfall gibt.

Deine Entscheidung, eine neue Karte zu bestellen, wäre daher auch mein Rat gewesen.
Die Sache sähe anders aus, wenn eine Karte nur zu deutlich höheren Preisen beschaffbar wäre. Aber bei 250,- EUR würde ich klar dazu raten, die einfach auszutauschen.

Die alte Karte kannst Du als Ersatzteilspender aufbewahren, falls Du es später mal mit einen simpleren Fehler zu tun bekommen solltest.

Wäre das Gerät auf meinem Tisch gelandet, dann hätte ich die defekte Karte noch thermografisch getestet, um völlig sicher zu gehen, dass es wirklich am Chip liegt. Aber die Wahrscheinlichkeit halte ich hier für so hoch, dass es sich IMHO nicht lohnt, noch großartig Zeit darin zu versenken, wenn eine neue Karte so relativ billig ist.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

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Samstag, 23. Mai 2020, 18:05

Danke ebenfalls für das ausführliche Posting! Ich habe in der Zwischenzeit mal weiter recherchiert und bin auf diesen Thread gestoßen:

http://forum.notebookreview.com/threads/…m.810697/page-5


Identisches Problem, identische Symptome und derjenige hat wohl letztendlich einen der drei MOSFETs als Übeltäter aufgedeckt, getauscht und die Karte lief wieder. Die dort erwähnte „Flüssigkeit“ habe ich auch gehabt - sieht ölig aus. Frage mich allerdings, woher die kommt. Im Thread wurden auch die VRAM-Chips als Übeltäter vermutet, da dort das „Ölige Zeug“ drauf war...

Also MOSFETs definitiv nicht die Fehlerquelle und definitiv Grafikchip? Überlege grade ob ich morgen zu dem Verwandten fahre, der Messgeräte und Know-How hat, dann könnte ich alles durchmessen und ggf. tatsächlich prüfen ob MOSFETs oder Graphikchip. Wie teste ich denn Letzteren? Habe kein Schaltbild der 980m finden können...

EDIT: kannst Du auf dem Bild evtl die Teile einkreisen, wo der defekt gemessen werden könnte?

EDV-Dompteur

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Samstag, 23. Mai 2020, 18:50

Ich habe in der Zwischenzeit mal weiter recherchiert und bin auf diesen Thread gestoßen - identisches Problem
Auf welchen Thread bist Du gestoßen?
Welches Video im Startposting gemeint war, ist auch noch offen.
- Klappt es bei Dir irgendwie nicht, Links einzufügen?
Du kannst Deine Postings jetzt länger editieren, falls etwas schief gehen sollte.
Edit: Dein Edit kam dem Absenden meines Postings zuvor, nun ist der Link vorhanden.


Die dort erwähnte „Flüssigkeit“ habe ich auch gehabt - sieht ölig aus. Frage mich allerdings, woher die kommt. Im Thread wurden auch die VRAM-Chips als Übeltäter vermutet, da dort das „Ölige Zeug“ drauf war...
Ohne es gesehen zu haben gehe ich mal davon aus, dass die Wärmeleit-Pads diese ölige Flüssigkeit ausgeschwitzt haben.
Das ist normal.


Also MOSFETs definitiv nicht die Fehlerquelle und definitiv Grafikchip?
Nein, definitiv festgelegt habe ich mich nicht.
Das steht in meinem Posting ausführlich und mit Begründungen, dass ich lediglich von Wahrscheinlichkeiten rede und dass ich es sicherheitshalber testen würde, wenn ich die Sachen auf dem Tisch hätte.
Lese das Posting noch einmal.


Überlege grade ob ich morgen zu dem Verwandten fahre, der Messgeräte und Know-How hat, dann könnte ich alles durchmessen und ggf. tatsächlich prüfen ob MOSFETs oder Graphikchip. Wie teste ich denn Letzteren?
Das ist nicht ganz ohne ...
Auch ich selbst hätte daran zu tüfteln.
Dein Bekannter könnte zunächst einmal per Speicher-Oszi schauen, was am Eingang der Wandlerspule passiert, wenn das Gerät eingeschaltet wird. Das lässt dann Rückschlüsse darauf zu, ob die MOSFETs ihren Dienst tun.
Bei intakten MOSFETs muss der Spannungshub zwischen knapp unter Null Volt und 19V hin und her switchen.
Das Oszi-Bild mag da zwar etwas chaotisch aussehen, aber ein defekter MOSFET würde sich im Bild klar bemerkbar machen.

Wenn die MOSFETs aber dem anschein nach ordnungsgemäß arbeiten, dann liegt der Fehler lastseitig, also hinter der Spule. Da gibt es nicht viel mehr, als den Grafikchip und die VRAMs. Nach meiner bescheidenen Erfahrung ist da ein Defekt des Grafikchips viel viel wahrscheinlicher, als ein Defekt eines RAM-Bausteins.

Wenn die MOSFETs für intakt gehalten werden, dann kann man bei hohem Strom eine geringe Spannung (vorzugsweise nicht mehr als 0,5V) in die Rail einspeisen und dann thermografisch schauen, was sich erwärmt.


Es gibt noch eine andere Methode, für die Unterscheidung zwischen defektem MOSFET und lastseitigem Kurzschluss:
Dazu die Schaltwandler-Spule auslöten und die Karte ganz normal im Rechner testen, bei Betrieb per Netzteil.
Das Ticken wird dann logischerweise weg sein, ohne dem Ferrit. Aber wenn der Rechner dann wiederum wegen Kurzschluss nicht startet, dann haben wie es mit einer Macke der MOSFETs zu tun.
Dabei muss man aber klar haben, dass der Rechner wirklich wegen Kurzschluss nicht startet und nicht etwa deshalb, weil eine Schutzschaltung es detektiert, dass ein Schaltwandler nicht arbeitet. Denn es ist ja klar, dass einer von denen nicht arbeitet, wenn dessen Spule gerade ausgelötet ist.

Es hängt vom BIOS und von der konkreten Schaltungstechnik ab, wie ein Rechner darauf reagiert, wenn ein Wandler nicht anspringt
Manche Mainboards schalten sich dann völlig ab, bis sie einmal vollständig stromlos gemacht werden.
Andere unternehmen selbstständig immer weitere Startversuche.
Wieder andere lassen mehrere manuelle Einschaltversuche des Benuters zu.

Es kann darum nicht so ganz pauschal beantwortet werden, wie das Vorliegen eines Kurzschlusses detektiert werden kann, wenn der Rechner auch bei ausgelöteter Spule nicht einschaltbar ist. Erste Adresse wäre die Stelle zwischen den beiden Eingangs-MOSFETs. Wenn man dort das Oszi ansetzt, dann müsste dort ein Spannungseinbruch auf praktisch Null Volt feststellbar sein, wenn ein Kurzschluss vorliegt.
Denn der Ladecontroller, der die beiden MOSFETs ansteuert, detektiert per Shunt den Stromfluss in die System-Rail hinein. Wenn dieser Strom zu hoch wird, dann sperrt er die beiden Eingangs-MOSFETs (ich rede hier vom Betrieb am Netzteil, ohne Akku).
Es gibt Fälle, wo dieser Spannungseinbruch zwischen den MOSFETs eindeutiger per Oszi erkennbar ist, als hinter dem zweiten MOSFET (also auf der System-Rail). Darum würde ich zuerst das Oszi dazwischen ansetzen.

Wenn Dein Bekannter mit diesen Infos noch nicht klar kommt, dann gebe ihm außerdem noch den Schnellkurs als Nachtlektüre mit, damit er eine prinzipielle Vorstellung von der Schaltungstechnik der Stromversorgung bekommt.
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Samstag, 23. Mai 2020, 20:03

Vielen lieben Dank für die ausführliche Erläuterung, werde in den kommenden Tagen dann mal mit ihm schauen, was wir davon umgesetzt bekommen... MOSFETs neu kaufen - hat Conrad sowas? Oder muss man hier an Bauteilhersteller wie TI direkt herantreten?

Nochmals Danke, finde Dein Engagement spitze!!

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Samstag, 23. Mai 2020, 20:14

Nachtrag: nach der Info aus dem andern Thread habe ich mir die MOSFETs auch nochmal genau angeschaut und mir ist tatsächlich etwas aufgefallen (siehe Bilder). Die Unterseite der Karte ist leicht verfärbt, und zwar zufällig genau an der Ecke - wo an der Oberseite einer der MOSFETs sitzt (habe beide Seiten an der gleichen Stelle fotografiert). Kann das schon der entscheidende Hinweis sein?
»The_Avatar« hat folgende Bilder angehängt:
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EDV-Dompteur

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Sonntag, 24. Mai 2020, 14:40

MOSFETs neu kaufen - hat Conrad sowas? Oder muss man hier an Bauteilhersteller wie TI direkt herantreten?
Conrad schwächelt bei solchen Teilen sehr. Sogar so sehr, dass ich bei Conrad grundsätzlich gar nicht erst schaue, wenn ich Notebook-Teile brauche.
Auf eBay wird man dagegen praktisch immer fündig.
Dein Bekannter wird darüber hinaus die führenden Distributoren kennen.

Bei Einzelstücken und sehr wenigen Exemplaren schaue ich aber gar nicht erst bei den gängigen Distributoren rein, sondern gehe gleich zu eBay (und vielleicht noch AliExpress).
Distributoren sind zwar stark darin, einem jedwedes Bauteil derjenigen Hersteller liefern zu können, mit denen sie zusammenarbeiten, aber die Zahl dieser Hersteller ist halt begrenzt.
In Notebooks sind Bauteile von derart massig vielen Herstellern verbaut, dass kein Distributor dieser Welt mit all denen Verträge haben kann.
So ziemlich jeder Kram, auch von eher unbekannten, fernöstlichen Herstellern, landet aber letztendlich bei eBay.


Nachtrag: nach der Info aus dem andern Thread habe ich mir die MOSFETs auch nochmal genau angeschaut und mir ist tatsächlich etwas aufgefallen (siehe Bilder). Die Unterseite der Karte ist leicht verfärbt, und zwar zufällig genau an der Ecke - wo an der Oberseite einer der MOSFETs sitzt
Zwar nehme ich da die leichte Verfärbung wahr, aber auf Deinen Bildern kann ich nichts wirklich böses erkennen.
Es macht aber generell auch wenig Sinn, unscharfe Bilder mit nur 640x480 Pixeln zu posten, auf denen der relevante Teil kaum auch nur ein Viertel der Bildfläche einnimmt.

Mehr Licht druff, so dass die Kamera sich scharf stellen kann, dann mit höherer Auflösung fotografieren und anschließend den relevanten Teil freistellen (also die unnützen Ränder weg schneiden), damit ich nicht nörgele, dass mir der Server mit unnötig speicherfressendem Müll vollgeklatscht wird.
Mit IrfanView ist das Freistellen in unter zwei Sekunden gemacht: Mit der Maus einen Rahmen aufziehen und Strg+y drücken.
Gegebenenfalls Gamma und Kontrast nachregeln, um Verfärbungen besser hervor zu heben (Tastenkombination Shift+g). Dauert keine fünf Sekunden.
Ich speichere dann gerne als JPG, mit 90% Kompression. Da leidet die Qualität nur akzeptabel wenig, aber der Speicherbedarf reduziert sich erheblich.
Ein derart aufbereitetes Bild wird anschließend eine Dateigröße von etwa 300kB haben und man kann darauf zweifelsfrei alles erkennen.
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Sonntag, 24. Mai 2020, 21:03

Diese "MosFets" gehen sehr gerne kaputt, schon ganz viel davon repariert. Es ist hier meistens der "CSD87350Q5D Synchronous Buck NexFET™ Power Block" montiert.
Bei sehr schwere Fälle stirbt auch der Grafikchip, das sieht man erst so richtig wenn der MosFet getauscht wurde.

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Montag, 25. Mai 2020, 10:49

Danke für die weiteren Infos. PC habe ich keinen und Notebook ohne Grafikkarte.. da wird’s mit Irfanview schwierig :-)

Sollte man direkt alle drei MOSFETs tauschen oder würde es das eher verschlimmbessern? Ein anderer Bekannter meinte, die Karte sieht unten verbrannt aus... ich hänge nochmal zwei Bilder an (ich nutze das Smartphone als Kamera und nehme Qualitätsstufe „mittel“, damit die Datei klein bleibt. Diesmal nehme ich „hoch“:

P.S.: kennt jemand wen im Großraum Frankfurt der sowas reparieren kann? Ich würde mir das auch zutrauen, aber die Sauerei mit dem Flussmittel würde vermutlich dafür sorgen dass danach gar nix mehr geht wenn ich das mache...
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11

Montag, 25. Mai 2020, 14:25

Ein anderer Bekannter meinte, die Karte sieht unten verbrannt aus...
Und ich habe einen Bekannten, der sagt, dass die Illuminaten weltweit das Wissen über "Freie Energie" unterdrücken.
Eine andere Bekannte meinte vor Jahren, dass die Erde bald in die fünfte Dimension eingehen würde, weil der Maya-Kalender endet.
Aber das sind aus heutiger Sicht natürlich nur unbedeutende Nebenthemen, weil Bill Gates uns ja demnächst per Zwangsimpfung alle "chippen" will.
Ich selbst habe diesen Gedankensteuerungs-Chip bereits, darum bleibt die schreckliche Wahrheit mir verborgen. Ich kann auf den Bildern nichts verbranntes erkennen.

Schließe Dich mal per PN mit Sleepygti kurz.
Vielleicht hat er Lust darauf, Dir das Ding wieder funktionstüchtig zu machen.
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12

Montag, 25. Mai 2020, 14:45

Gebrannt ist es nicht, aber von Hitze unschön verfärbt. Scheinbar hat etwas länger gedauert bis der MosFet auf andere Seite ganz kaputtgegangen ist. Ob reparabel...Glückssache. Grafikchips können kurzfristig 19Volt ertragen, aber nicht lange.

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Freitag, 26. Juni 2020, 10:32

Hallo zusammen,

ich wollte nochmal abschließend schreiben: die Reparatur hat geklappt, der eine IC an der Ecke wurde getauscht, hierbei hat sich das Bauteil auf der anderen Seite ebenfalls gelöst, wurde aber auch pragmatisch wieder befestigt :-) (siehe Bild).



Die Karte läuft wieder!!! Habe allerdings jetzt im IDLE und im Lastbetrieb gleichermaßen 60 Grad Celsius gemessene Temperatur über das Clevo-Tool... bin mir unsicher ob die vorher auch so hoch waren.

Auf jeden Fall vielen lieben Dank für Eure Hilfe, u.a. deshalb bin ich überhaupt auf die Idee gekommen das Ding nicht wegzuschmeißen!!

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Samstag, 24. Oktober 2020, 08:39

Hallo,

Super, dass hier beschrieben wurde was defekt sein könnte.
Ich hatte das gleiche Problem, dass der Laptop sich nicht mehr einschalten ließ.
Dank diesen Beitrages konnte ich auch die Graka als Übeltäter ermitteln. Mosfets gewechselt und dann lief der Laptop wieder.

Ich hatte nach ein paar Wochen leider das Problem, dass während eines Spieles, der Laptop plötzlich mit rosa Artefakten einfror. Mit einem Hardreset konnte ich diesen zwar neu starten, aber beim Hochfahren kamen immer ab dem Logo die rosa Artefakte/Streifen.
Im Bios aber seltsamerweise nicht, da klappe alles bestens. Auch konnte ich mit dem Laptop eingeschränkt arbeiten, allerdings lief dann der angeschlossene Monitor nicht. GPU-Z konnte dann auch keine Sensorenfinden.
Erst wenn ich den Laptop mindestes eine halbe besser ganze Stunde aus ließ, lief er wieder ohne Probleme hoch.

Ich hatte mir daher eine Ersatz-Graka in China bestellt, welche aber nicht lief. Naja, Rückgabe läuft noch, aber mit dem Versprechen einer 5-Sterne Bewertung habe ich sogar die Rücksendekosten vom Verkäufer erstattet bekommen.
Sobals die Grake bei ihm wieder ankommt, soll ich dann den Kaufpreis erstattet bekommen.
Laut XMG-Support brauch die Graka wohl bei den XMG-Laptops ein spezielles Bios.
Dieser Support hat mir auch gesagt, dass eine neue Karte über sie mit mindestens 900 Euro berechnet wird.

Nun habe ich mir aus Kostengründen damals den Laptop mit einem Xeon E3 1231 Prozessor gekauft, der ja keine integrierte GPU hat.
Jetzt denke ich darüber nach mir den I7 4700 zu besorgen, damit ich den Laptop dann weiter nutzen kann, auch ohne Graka.
Ich hoffe zumindest, dass der Laptop auch ohne Graka mit dem i7-4700 funktioniert?
Ist zwar dann nicht mehr zum Spielen geeignet, aber einen neuen kann ich mir momentan absolut nicht leisten.

Liebe Grüße
Michael

EDV-Dompteur

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15

Sonntag, 25. Oktober 2020, 22:05

Erst wenn ich den Laptop mindestes eine halbe besser ganze Stunde aus ließ, lief er wieder ohne Probleme hoch.
Das klingt ja nach einem thermischen Fehler.
Auch dass im BIOS alles OK ist (wo die Grafik nicht gerade strapaziert wird) deutet darauf hin.
Ich würde mal versuchen, die Grafikkarte mit wechselndem Erhitzen/Kühlen zu malträtieren, um die Sache dingfester zu machen.
Wenn es wirklich ein thermischer Fehler ist, dann kann es sein, dass der Grafikchip mal reballt, bzw. ausgetasucht werden muss.
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16

Mittwoch, 4. November 2020, 12:18

Danke, das vermute ich auch. Evtl habe ich ja die Mosfets auf der Graka nicht richtig angelötet.
Muss ich mal Flussmittel von Arbeit mitbringen und nachlöten.

Ich bin aber auch irritiert, dass HWInfo mir sagt, dass der 12V-PCI-Bus angeblich fast 19V.

Heute stürzt der Laptop ständig ab, obwohl ich nur den Desktop nutze. Heute fängt er sich auch nicht sondern bootet nach einer Weile neu oder ich muss einen Hardreset machen.
Naja, wie dem auch sei, ich muss mich wohl damit abfinden, dass der Laptop nach knapp 5,5 Jahren sich verabschiedet.

EDV-Dompteur

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Donnerstag, 5. November 2020, 15:52

Ich bin aber auch irritiert, dass HWInfo mir sagt, dass der 12V-PCI-Bus angeblich fast 19V.
Ein Schaltplan wäre natürlich hilfreich. Oder ein BoardView.
Wenn einzelne Pins des Grafichips vom Mainboard abgerippt sein sollten, dann hätten wir floatende Signale und in so einem Fall wären Anzeigewerte irgendwelcher Software-Tools natürlich arg zweifelhaft.

Die zwei typischen Versurchser für solche "manchmal_geht's_manchmal_geht's_nicht-Fehler" sind halt abgerippte BGA-Pins, sowie (mit Glück) schlechte Siebung der von den Schaltwandlern erzeugten Spannungen, aufgrund gealterter Elkos/Tantals.
Wenn die Spannungen im Oszi verdächtig grisselig aussehen, dann mal auf Verdacht den dicken Kondensatoren hinter den Spulen 20uF Kerkos (ausdrücklich Kerkos!) parallel schalten, auf jeweils kürzest möglichem Weg, also nicht über unnötig lange Drähte.
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