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Mittwoch, 3. März 2021, 17:16

Acer Aspire V3-772g, komplett tot.

Edit von EDV-Dompteur: Beiträge aus dem Schnellkurs-Thread hierher verschoben.


Hallöchen!

Auch ich möchte mich zunächst einmal für die hier geteilten Informationen bedanken und dir meine Wertschätzung dafür aussprechen.
Es ist durchaus nicht selbstverständlich von einem Profi so wertvolle Informationen aus seinem eigenen Erfahrungsschatz zu erhalten.
Aber noch seltener ist es dann diese Informationen auch noch einfach und verständlich vermittelt zu bekommen.
Ein dickes Dankeschön dafür!
Ich trau mich jetzt einfach auch mal dich um Rat zu bitten, falls dies möglich sein sollte.
Denn ich bin aktuell an einem Punkt deiner obigen Anleitung angelangt, an dem ich nicht mehr weiter weiß...
Ich habe hier einen Acer Aspire V3-772g vor mir liegen. Also einen durchaus noch brauchbaren Laptop.
Er wurde mir von einem guten Freund überlassen mit der Bitte ob ich ihn wieder zum laufen bringen könnte.
Zeigt garkein Lebenszeichen mehr. Keine LEDS. Keine Lüfter. Nix.

Netzteil hab ich schon getestet - funktioniert. Multimeter zeigt 19,44 Volt an.
Aufhänger hab ich auch ausgeschlossen.
WLAN, RAM und Festplatten habe ich ausgebaut..
Da sich immer noch nichts tat, hab ich das Ding dann komplett zerlegt.

Screenshot_14.png

Kein Problem, hab ich schon öfters gemacht.
Aber sonst hab ich es meist mit immer mit einem defekten Netzanschluss zu tun gehabt, was hier leider nicht der Falls zu sein scheint.

Ich habe das Netztanschlusskabel ausgebaut und seperat gemessen. Am Ende des Kabels kommen 19,44 Volt an.
Das kann es also auch nicht sein.
Weiter als bis hierhin musste ich bei einer Laptop-Reperatur der Kategorie "Spannungsversorgung" noch nicht gehen.
Meist musste man einfach nur die 19V Buchse austauschen. Du kennst das ja ;)

Allles was du ab hier beschreibst war also eher neu für mich.
Kenne mich auch nicht wirklich mit Schaltplänen aus. (Aber lerne immer gerne dazu!)

Wenn du einen Blick auf das mir vorliegende Mainboard wirfst, dann siehst du dort ja links in weiss den Anschluss für das 19V Buchsenkabel.
Mein Problem ist nun aber, dass ich nicht weiss wo ich genau mit dem Multimeter messen muss.
Du hast das zwar sehr anschaulich an dem von dir grün umrandeten Bereich des Schaltplans erklärt wie man theoretisch vorzugehen hat.

Aber ich habe nun Probleme die Theorie auf die Praxis des mir vorliegenden Mainboards zu übertragen.
Screenshot_17b.png

Wenn ich das richtig wahrnehme, dann liegen hier rund um den Stromanschluss mehrere MOSFET. (siehe rote Pfeile auf dem Screenshot)
Mir ist also konkret folgendes nicht klar:

1. Welche MOSFET spielen für meine Messung vom Adapteranschluss bis zum Punkt "System" überhaupt eine Rolle?
2. Wo genau befindet sich der Messpunkt "System"?
3. Und wie genau verläuft der Weg des Stroms vom Adapteranschluss zum Punkt "System"?
4. Kann ich bei der Messung gegen Masse irgendeine Masse nahe dem MOSFET nehmen? Also hier einen der kupfernen Schraubenlöcher? Oder muss es ein ganz bestimmter Massepunkt sein damit die Messung korrekt ist?
Ich hab zwar schon mehrfach mit dem Multimeter gearbeitet, aber noch nie auf einem Mainboard...
Da ich an dieser Stelle wie gesagt aufgeschmissen bin, ist mir nicht klar, ob es sich um einen Kurzschluss handelt oder nicht.
Aber ich vermute schon, dass es sich um ein großeres Problem handelt, denn das Netzteil zeigt nachdem es an das Mainboard angeschlossen wurde keine 19,44V mehr an, sondern nur noch 0,48V. Erst wenn ich das Netzteil vom Strom trenne und wieder neu in die Steckdose einstecke zeigt es wieder die gewohnten 19,44V an.

Ich wäre dir sehr dankbar für jede Information die du mir zu diesem mir neuen Problem geben kannst.

Gruss nach Hamburg
PS: Bitte entschuldige die Formatierung. Aber irgendwie will der Texteditor nicht so wie ich will..

EDV-Dompteur

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Mittwoch, 3. März 2021, 18:16

Hallo Pumukkl.



Die Spannung von der vierpoligen Buchse führt zu den oberen vier Pins des ersten Eingangs-MOSFETs.
Dabei handelt es sich (von rechts oben nach links oben) um die Pins 5-8 und somit um den Drain-Anschluss des MOSFETs.
Die Pins 1-4 des MOSFETs sind an diesem Baueil die unteren Anschlüsse (Zählung von links beginnend).

Die Pins 1-3 bilden den Source-Anschluss (Pin 4 ist Gate).
Und die drei Source-Anschlüsse sind mit den Source-Anschlüssen des zweiten MOSFETs verbunden.
Dessen Drain, also die Pins 5-8 (hier auf der lnken Seite des Bauteils liegend) führen dann weiter zum Shunt-Widerstand direkt links unterhalb des MOSFETs.

Die Systemrail beginnt "hinter" dem Shunt, also an dessen unterem Anschluss.
Die Systemrail führt über das ganze Mainboard. Von ihr werden sämtliche Schaltwandler mit ihrer 19V Eingangsspannung versorgt.

Du musst im beschriebenen Schaltungsteil also überall 19V messen können, außer an den Gate-Anschlüssen der beiden MOSFETs.


Im Bild habe ich noch den BAT-Fet gekennzeichnet.
Der dient dazu, im Akkubetrieb die Spannung des Akkus auf die Systemrail zu schalten.


4. Kann ich bei der Messung gegen Masse irgendeine Masse nahe dem MOSFET nehmen? Also hier einen der kupfernen Schraubenlöcher?
Ja, für Messungen mit dem Multimeter ist ein beliebiger Punkt der Massefläche geeignet, also auch jedes der Schraubenlöcher.
Nur bei Messungen mit dem Oszi kann es (in seltenen Fällen) ratsam sein, einen Massepunkt nahe des Messpunktes zu wählen.


Da ich an dieser Stelle wie gesagt aufgeschmissen bin, ist mir nicht klar, ob es sich um einen Kurzschluss handelt oder nicht.
Kurzschlüsse treten manchmal direkt im Eingangsbereich auf, dazu kannst Du das Multimeter im Modus Durchgangsprüfer am Drain des ersten MOSFETs ansetzen.
Die meisten Kurzschlüsse treten aber auf der Systemrail auf.
Dazu den Durchgangsprüfer am Shunt ansetzen (jeweils mit Bezug auf Masse).


Aber ich vermute schon, dass es sich um ein großeres Problem handelt, denn das Netzteil zeigt nachdem es an das Mainboard angeschlossen wurde keine 19,44V mehr an, sondern nur noch 0,48V. Erst wenn ich das Netzteil vom Strom trenne und wieder neu in die Steckdose einstecke zeigt es wieder die gewohnten 19,44V an.
Ja, das ist ein Kurzschluss.
Aber die sind meistens leicht behebbar (sofern kein Upper-MOSFET eines Schaltwandlers der Übeltäter ist).

Finde zuerst per Durchgangsprüfer heraus, ob der Kurzschluss direkt im Eingangsbereich liegt (sehr sehr sehr wahrscheinlich nicht), oder auf der Systemrail (sehr wahrscheinlich ja).
Gut, sicherlich wird er auf der Systemrail liegen. Dann nenne uns den dort gemessenen Widerstandswert des Kurzschlusses.
Der mag bei einem Ohm liegen, oder bei wenigen Ohm - wir brauchen den exakten Wert.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

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3

Mittwoch, 10. März 2021, 19:30

Hallo EDV-Domteur.
Ich danke dir für deine ausführliche Antwort.
Die hat mir echt sehr weiter geholfen.

Ich habe nun zunächst einmal mittel Durchgansprüfung gemessen ob ich es mit einem Kurzschluss zu tun habe.
Für die Messungen habe ich den Massepunkt direkt oberhalb des ersten MOSFET genommen.

- erste Messung vom 19V Pin der Buchse gegen Masse: okay, also kein Signal.
- zweite Messung am Drain (alle 4 Pins) des ersten MOSFET gegen Masse: auch kein Signal.
- dritte Messung vom Drain (alle 4 Pins) des zweiten MOSFETS gegen Masse: Signal! Es ertönt ein Piepton. (Der angezeigt Wert schwankt zwischen 0,4 und 0,5 Ohm)
- vierte Messung vom oberen Kontakt des SHUNT gegen Masse:Signal! Es ertönt ein Piepton. (Der angezeigt Wert schwankt erneut zwischen 0,4 und 0,5 Ohm)
- fünftel Messung vom unteren Kontakt des SHUNT gegen Masse: Signal! Es ertönt ein Piepton. (Und wieder schwankt der angezeigt Wert zwischen 0,4 und 0,5 Ohm)

Ich habe danach das Board mit dem Netzteil unter Strom gesetzt und folgende Messergebnisse bei Messung gegen den selben Massepunkt erhalten:
- Am ersten MOSFET erhalte ich zunächst an jedem Pin 0,36V.
- Selbes gilt für Pin 1-4 des zweiten MOSFETS.
- Pin 5-8 des zweiten MOSFET hingegen zeigen 0V. Dort kommt nichts an.


Interessant ist, dass je öfter ich die jeweiligen Pins messe, der Messwert sich von anfangs 0,36V auf später 0,02V reduziert. Aber hier scheint aber nicht die Anzahl der Messungen für die kontinuierliche Reduzierung des Messwertes verantwortlich, sondern der Faktor Zeit. Taktes hier das Netzteil mit der Zeit immer weiter runter?


Anmerken möchte ich hier auch noch, dass der direkt unter dem zweiten MOSFET gelegene Massepunkt (das im Vergleich kleinere kupferne Schraubloch) nicht als Massepunkt zur Messung funktioniert. Weder zur Durchgangsprüfung noch zur zur Spannungsmessung. Der direkt unter ihm gelegene etwas größere Massepunkt (selbe Größe wie oben) hingegen funktioniert einwandfrei.

Die Messung mittels Durchgangsprüfung bedeutet demnach, dass der Kurzschluss auf der Systemrail liegt, habe ich das so richtig verstanden?
Ich freue mich auf dein Feedback :D

Gruss, Pumukkl

EDV-Dompteur

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4

Mittwoch, 10. März 2021, 20:50

- fünftel Messung vom unteren Kontakt des SHUNT gegen Masse: Signal! Es ertönt ein Piepton. (Und wieder schwankt der angezeigt Wert zwischen 0,4 und 0,5 Ohm)
Alles klar. Kurzschluss auf der Systemrail.
Und der niedrige Widerstandswert verrät uns, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Kerko (keramischer Kondensator) der Übeltäter sein wird.


- Am ersten MOSFET erhalte ich zunächst an jedem Pin 0,36V.
- Selbes gilt für Pin 1-4 des zweiten MOSFETS.
- Pin 5-8 des zweiten MOSFET hingegen zeigen 0V. Dort kommt nichts an.


Interessant ist, dass je öfter ich die jeweiligen Pins messe, der Messwert sich von anfangs 0,36V auf später 0,02V reduziert. Aber hier scheint aber nicht die Anzahl der Messungen für die kontinuierliche Reduzierung des Messwertes verantwortlich, sondern der Faktor Zeit. Taktes hier das Netzteil mit der Zeit immer weiter runter?
Alles wurscht.
Der Kurzschluss bewirkt, dass das Netzteil abschaltet. Manche schalten dann dauerhaft ab (bis sie einmal von der Netzsteckdose getrennt und nach etwas Wartezeit erneut damit verbunden werden). Andere probieren es dezent immer wieder mal, ob inzwischen wieder gut ist.
Muss uns aber nicht interessieren, denn wir wissen bereits, dass ein Kurzschluss vorliegt und der muss weg!


Die Messung mittels Durchgangsprüfung bedeutet demnach, dass der Kurzschluss auf der Systemrail liegt, habe ich das so richtig verstanden?
Ja, völlig korrekt.

Wenn Dir ein Labornetzteil zur Verfügung steht, dann gehe so vor:
Löte an den Shunt (an dessen Ausgang, also direkt an den Startpunkt der Systemrail) einen Draht an (vorzugsweise einen roten).
An einen der Massepunkte löte einen schwarzen Draht.
Beides später mit dem Labornetzteil verbinden. Rot an Plus, Schwarz an Minus.

Am Labornetzteil stelle zuvor eine Spannung von ca.2V ein. Dann schließe das Labornetzteil kurz!
Stelle einen Kurzschlussstrom von ca. 3A ein. Die zuvor eingestellte Spannung bricht dabei natürlich auf einen tieferen Wert zusammen.
Dann den Kurzschluss am Netzteil-Ausgang beseitigen, so dass sich die eingestellte Spannung wieder zeigt.
Erst jetzt die ans Mainboard angelöteten Drähte mit dem Netzteil verbinden.
:!: Achte wie ein Schießhund darauf, dass Du keinesfalls die Polarität vertauschst!!! Plus vom Netzteil muss mit dem Shunt verbunden werden und Minus des Netzteils mit Masse des Mainboards.
Wenn Du hier einen Fehler machst, dann killst Du das Mainboard so richtig! :!:

Die Spannung am Labornetzteil wird nun wieder einbrechen (was wurscht ist) und es sollte ein Strom von 3A fließen. Wenn nicht, dann dezent am Spannungsregler drehen, bis diese 3A fließen. Die am Netzteil angezeigte Spannung ist egal, wir wollen 3A, nur darauf kommt es an.

Durch den eingespeisten Strom wird sich das defekte Bauteil erwärmen, dadurch verrät es sich.
Wenn Du fündig wurdest, dann wirst Du unter sehr starker Vergrößerung wahrscheinlich erkennen, dass der Kerko (der es sicherlich ist) an der Seite feinste Risse in Längsrichtung aufweist.
Dann raus mit dem Ding und der Kurzschluss wird weg sein.

Und wegen dem Wert: Es wird sicherlich ein 10uF Kerko sein. Die Spannungsfestigkeit sollte sicherheitshalber 50V betragen. Notfalls gehen auch 25V, aber wir wollen ja, dass der neue Kerko schön lange hält und nicht irgendwann erneut knackt, also nimm lieber einen 50V-Typen.


Der Kerko, um den es geht, kann auf jeder der beiden Seiten des Mainboards sitzen.
Man kann manchmal darauf hereinfallen und irrtümlich einen Kerko von der falschen Seite vermeintlich als schuldig überführen, wenn genau auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls einer sitzt und die thermische Kopplung zwischen beiden Seiten hoch ist, wegen vieler Vias (Durchkontaktierungen) in den Kupferflächen. Sei diesbezüglich also geimpft und achte daruf, dass Du wirklich das richtige Bauteil auslötest!
Und umkreise die Stelle vor dem Auslöten mit Edding, damit Du sie leicht wiederfindest.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

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