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Donnerstag, 8. März 2018, 14:33

Wortmann Terra Mobile Ultrabook 1450 II schaltet sich mehrmals aus und wieder ein

Hi, ich wollte hier meine bisherigen Erfahrung zu einer Laptopreparatur schildern und vielleicht kann mir jemand helfen.

Ich habe ein Wortmann Terra Mobile Ultrabook 1450 II welches ein seltsamen Defekt aufweist. Es ist ein Laptop mit 2 Festplatten, eine SSD und eine Magnetfestplatte. Letztes Jahr funktionierte die SSD nicht mehr und wurde ausgemustert. Da ich für meinen Zweck keine 2 Festplatten benötige und eine herkömmliche HDD mir reicht, habe ich den Laptop bekommen. Der Laptop lief gut und macht was er soll, bis er Anfang des Jahres folgendes Fehlerbild zeigte:
Laptop wird eingeschaltet und fährt hoch. Irgendwann nach 15 Sekunden bis 5 Minuten schaltet der Laptop sich aus und nach ein paar Sekunden selbständig wieder ein und fährt wieder hoch.
Am Anfang passierte es nur ein mal aber mit der Zeit häufte sich die Prozedur. Manchmal bis zu 10 mal hintereinander. Wenn der Laptop mit ein wenig Last mehr als 10 Minuten lief, dann ging der Laptop nicht mehr aus, bis er sich (im Auszustand) abgekühlt hat. Das Verhalten legt der Laptop jedoch nur an den Tag, wenn der Laptop am Stromnetz angeschlossen ist. Im reinen Akkubetrieb schaltet er sich nicht aus. Leider hält der Akku nicht mehr sehr lange und nach kurzer Zeit ist Schluss. Da ich noch einen weiteren Laptop (gleiches Model nur etwas älter) habe ich alles ausgetauscht und der Fehler liegt auf dem Mainboard.
Als ich dann auf Schnellkurs Notebook-Reparatur - Stromversorgungsprobleme gestoßen bin (Vielen Dank an dieser Stelle für die großartige Beschreibung), bin ich es durchgegangen. Nachdem ich endlich die Eingangsstufe (Blau) auf der Bottom Seite gefunden habe, konnte ich an den roten Messpunkte gegen Masse 19V messen. Auch die 5V und 3,3V konnte ich an den entsprechenden Kondensatoren (rote Pfeile) messen.

Bottom Seite:

Top Seite:

Ich war langsam Ratlos. Als ich aus versehen die SSD an das Kabel der Magnetfestplatte (beides ein Flachbandkabel mit der selben Breite) angeschlossen habe, ging der Laptop gar nicht mehr an. Tatsächlich waren diesmal keine 3,3V und 5V (rote Pfeile) zu messen. Das Falsche anschließen hatte wohl ein Kurzschluss verübt. Da kam mir die böse Idee mit dem Kurzschluss. Ich habe die SSD wieder abgeklemmt und Laptop eingeschaltet. Anschließend habe ich mit meiner Messpitze ganz kurz einen Kurzschluss an 5V ausgelöst. Der Laptop ging aus und blieb aus. Das gleiche habe ich dann mit 3,3V versucht, gleiches Ergebnis. Dann habe ich beim Magnetfestplattenschluss einen kurzen Kurzschluss erzeugt und der Laptop ging aus und nach ein paar Sekunden wieder an. Da die SSD nur an diesem Mainboard nicht funktionierte könnte da dort vielleicht ein Zusammenhang sein. Also habe ich versucht einen Kurzschluss am SSD-Anschluss (gelber Kasten auf der Top Seite) zu erzeugen, was nicht funktioniert hatte. Nochmal versucht abgerutscht und Laptop ging aus und wieder an. Das Verhalten (aus und wieder an) kann ich am APW7141 (unten links neben dem SSD-Anschluss) durch einen Kurzschluss reproduzieren. Also habe ich ein Foto davon geschossen um später danach im Internet zu suchen:


Auf der Vergrößerung im Bild ist mir aufgefallen, dass der Widerstand R488 (oben links im Bild) komisch aussieht:


Ich konnte bei näherer Betrachtung Schmauchspuren feststellen. Also habe ich das Mainboard des anderen Laptop ausgebaut und nachgeschaut was dort für ein Widerstand sitzt:


Ein 0 Ohm Widerstand. Die Messung am defekten Widerstand waren wesentlich höher (ein paar hundert Ohm). Der Widerstand R488 auf der Top Seite habe ich mit einem rosa Pfeil markiert. Der rosa Pfeil auf der Bottom Seite zeigt wo sich der Widerstand R488 ungefähr auf der gegenüberliegende Seite befindet.
Nun habe ich folgende Fragen. Hat ein anderer Fehler diesen Widerstand zerstört? Kann ein solcher defekter Widerstand einen Kurzschluss erzeugen (je nach Wärme)? Hat jemand noch eine Idee was ich versuchen könnte? Reicht es den Widerstand durch eine Drahtbrücke zu ersetzten?

Leider konnte ich keinen Schaltplan finden und es wäre schade, den sonnst tadellos funktionierenden Laptop entsorgen zu müssen. Für Tipps und Anregung bin ich sehr dankbar.
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  • Mainboard Bottom.jpg (862,94 kB - 192 mal heruntergeladen - zuletzt: Gestern, 18:50)
  • Mainboard Top.jpg (924,29 kB - 180 mal heruntergeladen - zuletzt: 23. Juni 2018, 10:45)
  • APW7141.jpg (198,42 kB - 178 mal heruntergeladen - zuletzt: 23. Juni 2018, 23:51)
  • R0-Defekt.jpg (173,74 kB - 180 mal heruntergeladen - zuletzt: 23. Juni 2018, 07:07)
  • R0-Heile.jpg (161,5 kB - 176 mal heruntergeladen - zuletzt: 22. Juni 2018, 22:39)

EDV-Dompteur

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Donnerstag, 8. März 2018, 16:11

Boff, Du machst ja Sachen ...

Das bewusste Auslösen von vollen Kurzschlüssen ist natürlich eine extrem schlechte Idee.
Bist Du Elektriker? - Die tun so etwas mitunter, wenn sie nicht wissen, welche Sicherung für eine Steckdose zuständig ist.

Völlig unklar ist mir jedoch, wie Du durch den Anschluss der SSD einen Schaden bewirkt haben willst?
Magnetische Festplatten und SSDs sind doch direkt gegeneinander austauschbar.

Den defekten Null-Ohm-Widerstand kannst Du selbstverständlich gegen eine Drahtbrücke austauschen, aber bitte löse nie wieder einen Kurzschluss aus!

Überprüfe mal, ob die Spannung hinter den beiden Eingangs-MOSFETs bis auf ein paar Millivolt mit der Spannung an der Buchse überein stimmt.
Wenn hinter den MOSFETs so ca. 0,6V weniger anliegen, als an der Buchse, dann schaltet einer von denen nicht durch und der Strom fließt über die integrierte Diodenstrecke. Das würde hohen Leistungsabfall und Erhitzung mit sich bringen, sowie Temperaturabhängigkeit.

Temperaturabhängigkeit gibt es natürlich auch aus anderen Gründen, z. B. hatte vor Jahren ein Hersteller mal vergessen, das Thermalpad unter einem QFN-Chip mit Lot zu benetzen ...


Du hast Dein Posting wirklich lobenswert gut vorbereitet, so dass Du es durchaus verdient hättest, dass man Dir hilft. Aber wenn ich lese, was Du schon alles angestellt hast, dann gruselt es mich!
Es liegt jetzt, nach dem Überbrücken des Null-Ohm-Widerstands, zunächst einmal an, den gesamten Schnellkurs erneut durchzuackern, um zu gewährleisten, dass auf dem Mainboard alle erforderlichen Spannungen erzeugt werden.
Das ist einfach die Grundvoraussetzung. Erst danach kann man sich um externe Komponenten kümmern, wie Festplatten etc.
Vorher kommt man besser gar nicht erst auf die schlechte Idee, die anzuschließen!
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

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3

Donnerstag, 8. März 2018, 19:41

Danke zuerst für die schnelle Antwort, aber das mit den Bildern im Beitrag hat wohl nicht richtig funktioniert.

Die böse Idee mit dem Kurzschluss war eher eine Verzweiflungstat und nein ich bin kein Elektriker. Ich weiß schon, dass ich dabei etwas kaputt machen kann und wenn weiß ich warum es dann kaputt ist ;-) .

Ne mal im ernst, dran gedacht habe ich auch nicht, dass es einen unterschied macht wo die Festplatten angeschlossen werden. Im Anhang sind die Beiden enden des Flachbandkabel (falls die so heißen) zu sehen. Das obere ist für die Magnetfestplatte (SATA) und das untere für die SSD (M SATA). Beim oberen haben die ersten 3 Kontakte eine Elektrische Verbindung beim unteren nicht. Daher schätze ich mal, dass es dort zu einem Kurzschluss gekommen ist.

Den 0 Ohm Widerstand habe ich nun überbrückt. Bei den Eingangs-MOSFETs liegen 19,2V vor und dahinter an, genau wie an der Eingangsbuchse. Die 5V und 3,3V sind immer noch gleich. Die Grundversorgung ist also OK.

Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass der Laptop nicht ausgeht, wenn der Laptop die ganze Zeit im BIOS ist. Nur wenn ein Betriebssystem gebootet wird.

Nach dem Überbrücken ging der Laptop auch wieder an, nur ändert es leider nichts am Fehlerbild. Egal ob mit Festplatte oder nur über USB-CD (ohne angeschlossene Festplatte).
»Kijan« hat folgendes Bild angehängt:
  • HDD.jpg

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4

Freitag, 9. März 2018, 00:03

Beim oberen haben die ersten 3 Kontakte eine Elektrische Verbindung beim unteren nicht. Daher schätze ich mal, dass es dort zu einem Kurzschluss gekommen ist.
OK, kapito.
SATA verwendet sieben Leitungen. Je zwei Adernpaare für Senden/Empfangen (also vier Leitungen) und die beiden Paare werden zwischen insgesamt drei Masseleitungen geführt.
Im oberen Teile Deines Bildes erkennt man das auch sehr gut.
Die übrigen drei, miteinander verbundenen Lamellen werden dann wohl logischerweise +5V führen.

Eines der Folienkabel wird auf der Oberseite des Mainboards angeschlossen, das andere unten. Und die Folienkabel entwurschteln das so, dass am Festplattenstecker alles wieder OK ist.
Durch das Vertauschen der Kabel hast Du somit einen Kurzschluss zwischen Masse und +5V verursacht (sowie zu einer der differentiellen Singnaleitungen, was die aber verkraften sollte).


Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass der Laptop nicht ausgeht, wenn der Laptop die ganze Zeit im BIOS ist. Nur wenn ein Betriebssystem gebootet wird.
Ah, das ist also wieder gegeben?
- Dann werden die Schaltwandler alle ihren Dienst tun und der Schnellkurs-Thread kann ausgelassen werden.


Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass der Laptop nicht ausgeht, wenn der Laptop die ganze Zeit im BIOS ist. Nur wenn ein Betriebssystem gebootet wird.
Ist das jetzt also (wieder) das aktulle Problem?
Der Rechner läuft, bootet bis ins BIOS und zickt erst dann, wenn er ein Betriebssystem laden soll?

Was passiert denn, wenn Du die Laufwerke mal weg lässt und per USB-Stick ein Linux bootest?
Ich selbst verwende gerne das Desinfec't aus der c't, denn das ermöglicht mir den Test aller grundlegenden Komponenten.
Das Ding bootet bis in einen Klickibunti Desktop, und darin steht u.a. ein Firefox zur Verfügung, mit dem man sofort ins Internet kann, um z. B. YouTube anzusteuern. Etc. etc.

Wenn das Mainboard das alles mitmacht, aber dann zickt, wenn die Laufwerke ins Spiel kommen, dann ist da wohl der Wurm drin.
Muss dennoch nicht unbedingt an den Laufwerken (oder der darauf installierten Software) selbst liegen. Vielmehr sollte dann zunächst mal die Spannung am Festplattenanschluss kontrolliert werden. Die 5V werden nämlich sicherlich über einen separaten MOSFET oder Spezial-IC geschaltet werden, der vom Embedded Controller bedient wird.
Ich hatte in dem Bereich mal einen Fehler, da hatte so ein Baustein nicht satt genug durchgeschaltet.
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5

Freitag, 9. März 2018, 13:14

Ja, der Laptop geht zwar an, aber manchmal wieder aus und wieder an (siehe erster Beitrag), nur nicht im BIOS. SSD funktioniert weiterhin nicht mehr an diesem Laptop.

Folgenden Grundaufbau habe ich nun: Mainboard inkl. CPU + Lüfter + RAM + Monitor an HDMI. Damit kann ich erkennen ob der Laptop angeht und wann wieder aus, da keine LEDs auf dem Mainboard sitzen.

Mit dem Grundaufbau + Magnetfestplatte => Fehlerbild

Mit dem Grundaufbau + USB-Tastatur + USB-DVD (booten von DVD mit Desinfec't) => Fehlerbild

Das booten von einem USB-Stick und Desinfec't werde ich noch ausprobieren.

Du könntest recht haben, dass sobald Laufwerke ins Spiel kommen die Stromversorgung manchmal (nicht immer) zusammenbricht.

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Samstag, 10. März 2018, 00:29

Habe nun dem Grundaufbau + USB-Stick (booten vom Stick mit Desinfec't) ausprobiert. Tastatur habe ich nicht angeschlossen, da Desinfec't nach 60 Sekunden automatisch bootet. Nachdem die 60 Sekunden um waren und das Betriebssystem anfing zu starten ist er mitten im Bootvorgang wieder ausgegangen und nach ein paar Sekunden wieder an. Das habe ich nun 3 mal versucht und 3 mal das selbe Ergebnis.

Ich habe die 3,3V und 5V während des Vorgangs gemessen und die Spannung war immer konstant, auch während dem Ausgehen, sofern ich das mit meinem Multimeter messen kann.

PS: Habe mal die Spannung am Folienkabel der Magnetfestplatte und SSD gemessen. Du hattest recht die 3 miteinander verbundenen Lamellen der Magnetfestplatte (oberes Folienkabel) sind +5V und bei der SSD (unteres Folienkabel) 3,3V. Die Enden der Folienkabel sehen elektrisch genau spiegelverkehrt aus.

EDV-Dompteur

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7

Samstag, 10. März 2018, 01:46

Also der große Unterschied zwischen:
a) bloß BIOS
b) dem Booten eines Betriebssystems
kann IMHO eigentlich nur der im zweiten Fall erhöhte Stromverbrauch sein.

Im Startposting schriebst Du, dass die Macke nur bei Netzbetrieb auftritt, nicht aber bei Akkubetrieb.
- Das stinkt eigentlich nach einem Netzteil-Problem, aber Du schriebst ja auch, dass Du ein zweites, identisches Notebook besitzt und "alles ausgetauscht" hast - das interpretierte ich eigentlich die ganze Zeit so, dass Du auch das Netzteil mal ausgetauscht hast. Ist es so?

Der Fehler ist schwierig aufzuspüren, jedenfalls mit Deiner Ausstattung. Ich mache darum ein paar Vorschläge, was Du nun tun kannst; Du musst halt selbst sehen, was Du davon umsetzen kannst:

  1. Probiere mal den Betrieb an einem anderen Netzteil.
  2. Schaffe Dir ein billiges Speicheroszi an und zeichne den Verlauf der Spannung hinter dem zweiten Eingangs-MOSFET auf.
    Ultrabillige Oszilloskope (ab 20,- EUR)
    Triggere dabei auf Unterschreitung einer Schwelle von z. B. 18V.
  3. Bastel Dir so viele meiner berühmten Indikatoren, wie Du Schaltwandlerspulen auf dem MB hast. Stelle auf jede Spule einen Indikator und filme deren LEDs per am Stativ befestigter Kamera. Möglicherweise offenbart sich dabei, dass einer der Wandler aussetzt und dadurch ein Reset ausgelöst wird. Wahrscheinlich wird das nur im Einzelbildmodus sichtbar, wenn Du das Video an der Absturzstelle Frame für Frame betrachtest.

Ich glaube aber eigentlich nicht, dass ein Schaltwandler aussetzt. Denn im Akkubetrieb läuft die Kiste ja.
Aus dem gleichen Grund glaube ich auch nicht an eine Macke des Grafikchips.

Als der heißeste Kandidat erscheint mir im Moment erstens das Netzteil und zweitens der Stromeingangspfad ab der Buchse bis hinter den zweiten Eingangs-MOSFET. Ab diesem Punkt laufen die Spannungen von Netzteil und Akku zusammen und per Akku geht es ja.
Der Fehler müsste demnach irgendwo vor dem zweiten MOSFET liegen.

Du könntest spaßeshalber einfach mal die beiden Eingangs-MOSFETs überbrücken.
Löte dazu einen hinreichend dicken Draht an den Pluspol der Stromeingangsbuchse und das andere Ende an den breiten Shunt-Widerstand hinter dem zweiten MOSFET.

Ach ja, und überprüfe doch mal, unter starker Vergrößerung, den Lötpunkt am Pluspol der Stromeingangsbuchse.
So ganz optimal sieht die Lötstelle auf Deinem Foto nämlich nicht aus ...

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Sonntag, 11. März 2018, 16:22

Vielen Dank für die vielen hilfreichen Anregungen und Tipps. :-)

Ja, ich habe auch das Netzteil getauscht und es gab kein Unterschied. Im Grunde habe ich das Mainboard getauscht und immer macht nur dieses Mainboard Probleme, egal in welchem Laptop es eingebaut wurde.

Ich habe das Mainboard noch einmal im reinen Akkubetrieb (nur Desinfec't über USB) laufen lassen und es lief fast 20 Minuten problemlos, bis der Akku alle war. Ich habe auch ab und zu die Spannung gemessen (hinter der Eingangsstufe). Am Anfang war die Spannung bei ca 11,5V und kurz vor dem Ausgehen noch ganz knapp über 10V. Nach dem Ausgehen ging der Laptop natürlich nicht von selber wieder an, da der Akku alle war.
Anschließend habe ich direkt danach noch einmal mit Netzteil gebootet und bevor Desinfec't ganz oben war, ging der Laptop schon wieder aus und wieder an.

Dann habe ich spaßeshalber die Eingangs-MOSFETs überbrückt. Bei der markierten Eingangsstufe (blau im Mainboard Bottom Bild) habe ich die äußeren beiden roten Punkte mit einander verbunden. Das mit dem Pluspol der Stromeingangsbuchse habe ich zu spät gelesen, aber der Pluspol ist dort der selbe wie an der Stromeingangsbuchse. Das System lief dennoch nicht stabil und ging wieder aus.

Da der Netzteilstecker etwas kleiner ist als üblich (Außendurchmesser ca. 4mm) habe ich auch keine weiteres Netzteil wo ich solch ein Anschluss hätte.

So ein DSO138 Oszilloskop wollte ich mir auch schon mal anschaffen, habe ich aber aktuell noch nicht.

Für die Indikatoren fehlt mir noch ein paar Teile, aber die werde ich bestimmt mal Basteln.

Bleibt also nur noch das Netzteil. Da habe ich das Labornetzteil herausgekramt und mir überlegt wie ich an den Netzteilbuchse komme. Da fiel mir die Drahtbrücke ein, dich ich ja angelötet habe. Dort konnte ich das Netzteil nun problemlos anschließen. Ich habe das Labornetzteil auf 19V eingestellt und (ohne Originalnetzteil und Akku) den Laptop gestartet. Schon nach kurzer Zeit schaltete sich der Laptop wieder aus. Da der Akku den Laptop mit weniger als 19V betreibt, habe ich das Labornetzteil mal auf 14V gestellt und der Laptop lief stabil. Auch mit 18V läuft er stabil. Doch sobald ich auf 19V erhöhe läuft das System instabil und schaltet sich nach kurzer Zeit wieder aus.

3 Fotos habe ich noch einmal vom Netzteilschluss angehangen. Ein Problem konnte ich dort nicht feststellen, da das Problem auch auftritt, wenn die Stromversorgung nicht über den Anschluss erfolgt.

PS: Welcher ist denn der Shunt-Widerstand? Die Widerstände mit R010 drauf?
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9

Sonntag, 11. März 2018, 22:44

Hallo Kijan,

ich überreiche Dir hiermit den Pokal für besonders klar formulierte Postings und erstklassiges Mitedenken! :151:

Wir kommen der Sache jetzt auf dieSpur, glaube ich.
Da die Macke am Labornetzteil bei 14V nicht auftritt, vermute ich einen gealterten Kondensator.

Es ist so: Je höher die Eingangsspannung ist, umso kürzer wird bei den Schaltwandlern der jeweilige Upper-MOSFET durchgesteuert, der die nachgeschaltete Spule bestromt. Das Puls/Pasuen-Verhältnis wird also kleiner.

In den Zeiten, wo der Upper-MOSFET sperrt, gibt die Spule die in ihrem Magnetfeld gespeicherte Energie ab. Gleichzeitig steuert der untere MOSFET durch, wodurch der Stromkreis wieder geschlossen ist.
Am Pufferkondensator nach der Spule stellt sich im Mittel eine Gleichspannung ein, deren Ripple möglichst klein sein sollte, schließlich hängen da die jeweiligen Verbraucher dran.

Ich könnte mir vorstellen, dass einer der Pufferkondensatoren gealtert ist und nun einen höheren, seriellen Widerstand aufweist, wodurch der Ripple so hohe Werte annimmt, dass ein Schutzmechanismus greift (sehr wahrscheinlich im jeweiligen Schaltregler-IC).

Meine Tipps mit dem Oszi, oder alternativ mit den Indikatoren plus der Kamera, sollten geeignet sein, um den jeweiligen Schaltregler zu überführen.

Beim 5V/3,3V-Wandler sind auf Deinem MB Becherelkos verbaut, als Puffer. Das sind natürlich die ersten Verdächtigen, denn Elkos altern!
Aber auch Tantals sind niemals ganz frei von jedem Verdacht.

Du könntest testweise mal schnelle Kondensatoren mit geringem seriellen Widerstand parallel zu den Pufferkondensatoren schalten. Und zwar auf kürzest möglichem Weg und mit nicht gar zu dünnem Draht.
Fette Keramik-Kondensatoren wären gut geeignet. Für kleine Spannungen gibt es ziemlich dicke Kerkos. Tantals sind ebenfalls gut.

Im Grunde müsste ein gealterter Kondensator mit erhöhtem Innenwiderstand schon thermisch überführen lassen. Sprich: Der müsste sich ungewöhnlich stark erwärmen. Etwas warm werden die natürlich immer, denn die Ripple-Spannung wird nunmal am Innenwiderstand in Wärme umgesetzt. Aber vielleicht fällt Dir ja irgendwo eine besonders hohe Erwärmung auf.
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Dienstag, 13. März 2018, 18:47

Deine Erklärung erscheint mir Logisch und ich habe wieder etwas dazugelernt :-).

Also konzentriere ich mich auf die Schaltregler für 5V und 3,3V. Ich habe noch einmal ein Foto der 5V und 3,3V Spannungsversorgung hochgeladen. Auf der Rückseite (Top-Layer) vom Foto befindet sich ein APW8812, welcher ein dualer Schaltregler-IC ist. Im Foto als MOSFET markierten ICs sind jeweils ein APM4910 (zwei MOSFETs in einem IC) sind. Direkt daneben befinden sich jeweils die Spulen und die Kondensatoren.



An den beiden Kondensatoren konnte ich keine große Erwärmung ausmachen. Entweder arbeitet der "kaputte" Kondensator an der Grenze von OK und erwärmt sich nur unwesentlich oder meine Haut kann hat dafür kein Wärmeempfinden. Vielleicht brauch ich noch Thermo Nagellack oder ähnliches ;-).

Ich habe auch schon überlegt, die Kondensatoren auszulöten und mit meinem AVR Transistortester zu testen. Doch ich konnte noch nicht eindeutig herausfinden was für Werte die Elkos haben. 6,3V? 220pF oder 220µF oder 2200µF? Neben den Kondensatoren ist sogar noch Platz für einen weiteren Elko vorgesehen (siehe Foto im Anhang). Reicht das als kurzer Weg? Ich muss mal schauen was ich so an "fetten" Kondensatoren habe. Bei Kondensatoren habe ich so meine Probleme. Woran erkenne ich einen Tantal-Kondensator? Kann man das überhaupt an der Bauform eindeutig erkennen? Ich kenne die Aluminium-Elektrolytkondensator (die es wie Sand am Meer gibt) die viel Energie speichern und langsam sind oder Keramikkondensator die aussehen wie Scheiben, schnell sind und wenig Energie speichern. Man sieht, dass ich noch ein paar Bildungslücken in diesem Bereich habe. Ich werde mich damit wohl die nächsten Tage näher beschäftigen.

Wenn ich einen geeigneten Kondensator auftreiben kann, dann löte ich den ein, ansonsten warte ich auf mein billig Oszi. Auf jeden Fall melde ich mich, wenn es was neues gibt.
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  • Schaltregler.jpg (644,8 kB - 107 mal heruntergeladen - zuletzt: 23. Juni 2018, 18:36)

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11

Mittwoch, 14. März 2018, 11:30

Deine Erklärung erscheint mir Logisch und ich habe wieder etwas dazugelernt :-).
OK, wenn das so ist, dann sei Dir dieser Beitrag empfohlen, wo ich die Funktionsweise von Notebook-Schaltreglern näher erkläre:
Clevo W670SRQ Kurzschluß


An den beiden Kondensatoren konnte ich keine große Erwärmung ausmachen. Entweder arbeitet der "kaputte" Kondensator an der Grenze von OK und erwärmt sich nur unwesesentlich
Es ist auch nicht gesagt, dass die Macke im Bereich des 5V/3,3V-Wandlers liegt. Das erschien mir nur als die wahrscheinlichste Stelle, weil dort Becherelkos verbaut sind, die halt von allen Kondensator-Typen die meisten durch Alterung bedingten Probleme verursachen.


Vielleicht brauch ich noch Thermo Nagellack oder ähnliches ;-).
Der berühmte Nagellack hat ausgedient. Die Thermofolie ist inzwischen das Mittel der Wahl, auch wenn sie in der Anschaffung zunächst teurer ist.
Langfristig rentiert sie sich und ihre Vorteile in der Anwendung sind gravierend.
Sie ist "unbegrenzt" haltbar und reagiert schon bei niedrigeren Temperaturen. Zudem ermöglicht sie die Überwachung einer kompletten Seite der Platine. Wollte man das mit dem Thermo-Nagellack erreichen, dann müsste man den Inhalt eines ganzen Fläschchens auf der Platine verschmieren (und das Zeug anschließend mit Alkohol wieder herunter spülen).
Die Anschaffung der Folie lohnt sich wirklich!

Btw.: Du hast doch Zugriff auf den Tafelrunden-Saal ... doch wie ich sehe, hat noch kein Schwein meinen dortigen Beitrag gelesen:
Thermografie-Folien


Ich habe auch schon überlegt, die Kondensatoren auszulöten und mit meinem AVR Transistortester zu testen. Doch ich konnte noch nicht eindeutig herausfinden was für Werte die Elkos haben.
Öh, welchen Wert die haben, würde Dir Dein Testgerät doch ganz genau verraten!?! Wo ist das Problem?


6,3V? 220pF oder 220µF oder 2200µF?
Mirkofarad. Bei Elkos immer Mikrofarad.
Picofarad ist fast nix. 220 Picofarad wäre 220 mal fast nix. Und das ist kaum mehr, als fast nix.
Hinter der Spule muss aber eine Menge Energie gespeichert werden, da würde "fast nix" viel zu wenig sein.

Selbst das tausendfache von 220pF, also 220nF, wären an dieser Stelle noch viel zu wenig.
Hinter eine Schaltwandlerspule gehören hunderte Mikrofarad, durchaus auch 1000 Mikrofarad - abhängig von der Schaltfrequenz und weiteren Parametern.

Deine Elkos werden 220µF haben.
2200µF wäre für die kleine Bauform schon wieder ein viel zu großer Wert.

Die aufgedruckten Bezeichnungen sind immer etwas kryptisch (ich hatte irgendwann im Forum mal erklärt, wie die zu interpretieren sind, finde den Beitrag aber selbst nicht mehr). Darum versuche ich mit den obigen Zeilen, Dir ein Gefühl für die Materie zu vermitteln.
Die Kapazitäten von Becherelkos liegen immer im Bereich von Mikrofarad. Da ist alles möglich, von 1µF bis tausende µF.
Anhand der aufgedruckten Spannungsangabe und der Gehäusegröße kann man dann schon ungefähr abschätzen, in welcher Größenordnung die Kapazität liegen muss.
Bei identischer Bauform gilt: Kondensatoren mit höherer Spannungsfestigkeit haben die kleineren Kapazitäten.
Das hängt damit zusammen, dass die Isolierschicht dicker sein muss.


Neben den Kondensatoren ist sogar noch Platz für einen weiteren Elko vorgesehen (siehe Foto im Anhang). Reicht das als kurzer Weg?
Ja, das reicht.


Ich muss mal schauen was ich so an "fetten" Kondensatoren habe.
"Fett" allein reicht nicht.
Die in Schaltwandlern eingesetzten Kondensatoren müssen hochfrequenztauglich sein. Das heißt konkret: Ihr Innenwiderstand muss möglichst klein sein.
Wenn man Elkos kauft, dann ist es explizit angegeben, wenn die für hohe Frequenzen tauglich sind.
"LOW ESR" ist da ein typisches Schlagwort, das auf einen geringen Serienwiderstand hinweist.
Solche Kondensatoren sind etwas teurer, als die herkömmlichen Typen.

Frage doch einfach mal beim PC-Doktor an der nächsten Straßenecke, ob er Dir ein defektes Mainboard überlässt, zum ausschlachten.


Woran erkenne ich einen Tantal-Kondensator? Kann man das überhaupt an der Bauform eindeutig erkennen?
Die Tantals in Notebooks kommen in einer Form daher, die an einen kleinen Ziegelstein erinnert.
Zwischen den beiden MOSFETs in Deinem Bild sitzen zwei Stück. Naja, da sind mal besonders breite Ziegelsteine. Oft sind die Dinger schmaler.
SMD-Tantals sind entweder von schwarzer, oder manchmal auch gelber Gehäusefarbe.
Bei Tantals in dieser Bauform ist an einer der beiden Schmalseiten stets ein fetter Balken aufgedruckt, der (anders als bei Dioden) den Pluspol markiert.
Man darf die nicht verpolen!

Mehr dazu verrät Wiki:
https://de.wikipedia.org/wiki/Tantalkondensator


Ich kenne die Aluminium-Elektrolytkondensator (die es wie Sand am Meer gibt) die viel Energie speichern und langsam sind oder Keramikkondensator die aussehen wie Scheiben, schnell sind und wenig Energie speichern.
In Notebooks werden keine Scheibenkondensatoren eingestzt. Die dort eingesetzten Kerkos sind wiederum ungefähr Ziegelstein-förmig, aber wesentlich kleiner, als Tantals, und die Farbe kommt Terrakotta recht nahe.
Unter den beiden MOSFETs in Deinem Bild sitzen solche Kerkos.
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Montag, 16. April 2018, 19:46

Nach einer kleinen Auszeit gibt's ein neues Statusupdate.

Danke für die Links, ich habe mittlerweile schon einiges in diesem Forum gelesen und viel gelernt.

Ich habe die beiden Elkos unten für 5V und 3.3V ausgelötet. Leider ist mir bei einem Kondensator ein Beinchen abgebrochen :-S. Also habe ich zuerst neue Kondensatoren (Low ESR) besorgt und den alten heilen einmal mit einem Transistor-Tester durchgemessen: 232µF Vloss=0.8% ESR=0.06Ohm. Ich denke der Elko ist in Ordnung. Anschließend habe ich einen neuen (3.3V) und den heilen alten (5V) wieder eingelötet. An dem Fehlerbild hat sich leider nichts verändert.

Inzwischen habe ich mir ein Billig-Oszilloskop (DSO-138) bestellt, um beim löten etwas zu entspannen :-). Es gab einige Komplikationen und damit Verzögerung bei der Bestellung, aber nun ist es zusammengebaut und funktionstüchtig.

Zuerst habe ich beim 5V Elko die Spannung mit dem DSO gemessen und den Trigger (fallende Flanke) auf 4,8V gestellt und den Fehler "wiederholt". Ich konnte keine Auffälligkeiten entdecken. Nachdem der Laptop wieder ausgeht, sinkt die Spannung "langsam" ab, da der Elko noch ein wenig Energie hat. Das gleiche habe ich auch mit 3.3V und Trigger auf 2.25V wiederholt. Das gleiche Ergebnis.

Dann habe ich mit dem DSO die Spannung der Spulen gemessen. Sehr interessant das schalten "live" zu sehen. Bei der Spule auf der 3.3V Seite konnte ich ein "Schwingung" von ca. 137KHz sehen, welche ab und zu ganz kurz auf 154KHz ansteigt. Bei der Spule auf der 5V Seite war die "Schwingung" bei ca. 43 bis 80KHz und sprang ab und zu hoch bis 150KHz. Ich denke, das das DSO dort schon an seine Grenzen kommt. Diese Erkenntnisse sind zwar interessant, doch wie finde ich mit einem Oszilloskop den Fehler, bzw. was ist Sinnvoll zu messen, bzw. auf was sollte ich achten bei der Messung?

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Dienstag, 17. April 2018, 01:33

Inzwischen habe ich mir ein Billig-Oszilloskop (DSO-138) bestellt,
Ah ja, so ein Ding habe ich auch, habe es nur noch nie ernsthaft benutzt. Nur mal kurz an einem Mainboard getestet und für so gerade eben ausreichend befunden.
Ich werde es jetzt aber mal testweise eine Zeitlang ernsthaft verwenden, damit ich mehr dazu sagen kann, was von den Messergebnissen und der Praxistauglichkeit zu halten ist.

Sonst nehme ich täglich mein steinaltes Hameg 60.
Ich habe auch ein DSO-203, das dem DSO-138 zwar im Prinzip deutlich überlegen ist, aber das Ding ist so gruselig umständlich zu bedienen, dass ich es nur super selten verwende, nämlich genau dann, wenn ich mal tatsächlich die Speicherfunktion benötige, die mein olles Hameg Analogoszi ja nicht bietet.
Mein Eindruck vom Kurztest des DSO-138 war jedenfalls der, dass die Arbeit damit hundertmal angenehmer ist, gegenüber dem eigentlich viel mächtigeren 203. Und das billige 138 reicht halt - so jedenfalls mein damaliger Eindruck. Aber im täglichen Einsatz greife ich gewohnheitsmäßig doch lieber zum Hameg. Bin halt damit groß geworden und hänge irgendwie an dem Ding.

So 'ne olle Analogkiste liefert halt die unmittelbare Wahrheit. Da hat man nicht die ganzen Schmuddeleffekte, die ein A/D-Wandler so mit sich bringt und die (wenn überhaupt) nur mit viel Aufwand (ergo hohem Preis) auszubügeln sind.
Von diesen Ultrabillig-Oszis darf man da echt keine Wunder erwarten. Sie tun irgendwie ihren Dienst, aber man muss sie auch erst einmal richtig gut kennenlernen.
Der Test von Schaltwandlern ist da sicher schon hart an der Grenze ihrer Möglichkeiten. Es geht, aber es ist halt grenzwertig.

Manche Schaltwandler variieren nur das Tastverhältnis. Das ist noch angenehm.
Andere variieren neben dem Tastverhältnis auch die Frequenz. Da wird es schon schwieriger, ein sinnvolles Bild zu kriegen.
Einige versuchen sogar, im FFT-Spektrum weißes Rauschen zu erzeugen, indem sie die Position der Schaltflanken ständig und "zufällig" verändern. Das reduziert elektromagnetische Emissionen, sowie hörbare Einflüsse auf den Audioteil.
Da braucht man wirklich ein digitales Oszi, denn Analoggeräte kriegen da kein sinnvolles Bild mehr zustande. Aber man sollte nicht denken, da mit einem Billig-DSO wirklich jauchzend froh werden zu können.
Schon gar nicht darf man glauben, dass das, was man sieht, viel mit der Wahrheit zu tun hat.

Bei allen Messungen gilt: Jedes Messergebnis bedarf stets der Interpretation!
Aber die frohe Botschaft lautet, dass man auch einem katatrophalen Oszi-Bild oft hinreichend Sinn entnehmen kann, wenn man mit seinem Gerät nur hinreichend vertraut ist.

Hinter der Schaltwandlerspule erwarten wir eine fast glatte Gleichspannung (vom Rest-Ripple abgesehen). Dazu taugt jedes noch so miese Oszi.
Jede Abweichung davon ist ungut.
Was sich vor der Spule im Detail für ein Chaos abspielt, ist dann relativ wurscht.
Es ist die Aufgabe des Schaltwandler-ICs, dafür zu sorgen, dass sich hinter der Spule eine (fast) glatte Gleichspannung einstellt. Wie er das anstellt ist ihm allein überlassen. Damit halten wir uns gar nicht auf.
Aber wir registrieren es, wenn hinter der Sule keine (fast) saubere Gleichspannung liegt.

Das DSO-138 hat leider nur einen einzigen Kanal. Das ist ein echtes Manko!
Zwei Kanäle sind deutlich vorteilhafter, weil man damit aufspüren kann, welcher Wandler zuerst aussteigt, falls das mal passiert.
Der Wandler, der zuerst aussteigt, hat ein Problem, bzw. der Stromkreis dahinter.


Zuerst habe ich beim 5V Elko die Spannung mit dem DSO gemessen und den Trigger (fallende Flanke) auf 4,8V gestellt und den Fehler "wiederholt". Ich konnte keine Auffälligkeiten entdecken. Nachdem der Laptop wieder ausgeht, sinkt die Spannung "langsam" ab, da der Elko noch ein wenig Energie hat. Das gleiche habe ich auch mit 3.3V und Trigger auf 2.25V wiederholt. Das gleiche Ergebnis.
Wenn bei Dir sogar die 5V/3,3V-Wandler aussteigen, dann macht das Mut! Denn dann hast du wahrscheinlich einen leicht aufspürbaren, kapitalen Fehler.
Diese Wandler laufen ja in den meisten Notebooks permanent. OK, leider nicht in allen Designs; es gibt auch Designs, wo der EC die Macht hat, diese Wandler zu deaktivieren (ein Blick in den Schaltplan klärt das).
Wenn diese Wandler keine Enable-Eingänge haben, bzw. auf festes Potenzial geschaltete Enables, dann müssen die Wandler immer immer immer laufen.
Tun sie das nicht, dann wird das wohl daran liegen, dass die Versorgungsspannung wegbricht.
Darum hatte ich schon in Posting Nr. 7 geraten, mal die 19V zu überwachen, hinter den beiden Eingangs-MOSFETs.


Diese Erkenntnisse sind zwar interessant, doch wie finde ich mit einem Oszilloskop den Fehler, bzw. was ist Sinnvoll zu messen, bzw. auf was sollte ich achten bei der Messung?
Wie gesagt: Überprüfe, ob der 5V/3,3V-Wandler Enable-Eingänge hat, bzw. (anhand des Datenblatts), wovon es abhängig ist, dass er werkelt.
Und überwache die 19V hinter den Eingangs-MOSFETs, denn da hängt dieser Wandler dran.

Wenn die 19V hinter den MOSFETs wegbrechen, dann ist zu klären, ob das auch vor den MOSFETs passiert.
- Ein Zweikanal-Oszi wäre hier wieder netter Luxus, weil man beides gleichzeitig im Blick behalten könnte.

Überprüfe das doch zunächst mal, bevor ich noch mehr Szenarien herbei phantasiere.
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14

Dienstag, 17. April 2018, 02:12

Nachtrag:
Hmmm, grummel grummel, habe noch einmal die alten Postings durchgelesen ...
Du hast schon die Eingangs-MOSFETs überbrückt und ein Labornetzteil angeschlossen. Und bei 18V läuft die Kiste, nicht jedoch bei 19V ...
Bäh, dann wird das wohl doch nicht so simpel sein, wie ich eben noch dachte. :-(

Aber wenn der verdammichte 5V/3,3V-Wandler aussteigt, obwohl er mit überbrückten Eingangs-MOSFETs per Labornetzteil betrieben wird (hoffentlich nicht über die Buchse?), dann ist zu klären, warum er aussteigt.
- Datenblatt des Chips besorgen und alle Bedingungen überprüfen, von denen seine Arbeit abhängig ist.
Du hast ja jetzt ein DSO, dem es nicht entgehen sollte, wenn eine der Arbeitsbedingungen plötzlich wegfällt. Ist halt müsham, die alle der Reihe nach zu kontrollieren und auf das Auftreten des Fehlers zu warten. Ja, das Leben ist mitunter hart und mühsam! :-(

Leider sehe ich hinter dem Dualwandler keine Lötjumper, sonst würde ich empfehlen, die mal aufzutrennen. Wäre ja denkbar, dass er Überstrom detektiert (oder zu detektieren glaubt).

Eventuell den Wandler-Chip mal gezielt (und räumlich möglichst begrenzt) kühlen/erhitzen, um festzustellen, ob die Macke irgendwie thermischer Natur ist.
Es ist zwar Jahre her, aber da hatte ein Hersteller mal vergessen, das Thermalpad unter einem QFN-Chip mit dem Board zu verlöten, wodurch die Wärmeabfuhr im Aaaaaimer war und der Chip so heiß wurde, dass schließlich der Thermoschutz im Chip eingriff.
Mit dezentem Einsatz von Kältespray und SMD-Heißluftstation müsste so etwas aufspürbar sein.

Ansonsten gehen mir die guten Ideen aber auch langsam aus. :-(
Ein paar Verzweiflungstaten hätte ich noch auf Lager. Aber teste zunächst alles was geht, bevor ich die üblen Sachen ins Spiel bringe.
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15

Dienstag, 17. April 2018, 19:10

Ja, ich betreibe das Mainboard nur über das Labornetzteil.

Wenn ich das Datenblatt richtig verstehe, dann liefert der APW8812 für den Standby einen Extra 3.3V und 5V Ausgang. Das deckt sich mit meinen Beobachtung, dass im Off/Standby die Spulen für 3.3V und 5V nicht befeuert werden.

Ich wollte die Spannung an LDO3 und LDO5 des APW8812 messen und habe wohl irgendwie (unabsichtlich) einen Kurzschluss oder ähnliches erzeugt. Seitdem springt beim Labornetzteil die Over Current Protection (OCP) an, wenn ich versuche den Laptop einzuschalten :'-(. Liegen die 19V am Mainboard an passiert noch nichts. Erst wenn ich den Einschaltknopf drücke springt die OCP an. Vermutlich verursacht etwas beim einschalten einen Kurzschluss, aber finden konnte ich ihn noch nicht. Vielleicht habe ich ja den APW8812 gegrillt :195:, aber solch ein filigranes Bauteil habe ich noch nie aus und wieder eingelötet.

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16

Dienstag, 17. April 2018, 21:20

Wenn ich das Datenblatt richtig verstehe, dann liefert der APW8812 für den Standby einen Extra 3.3V und 5V Ausgang.
Jupp, das siehst Du richtig.


Ich wollte die Spannung an LDO3 und LDO5 des APW8812 messen und habe wohl irgendwie (unabsichtlich) einen Kurzschluss oder ähnliches erzeugt.
Ich habe mal ins Datenblatt geschaut.
IMHO kann ein Kurzschluss am LDO3 keinen solchen Defekt hervorrufen, wohl aber ein Kurzschluss am LDO5.
Die IMHO einzige kritische Stelle wäre ein Kurzschluss zwischen Pin 17 (LDO5) und Pin 16 (VIN). Damit hast Du dann die 19V auf den Ausgang des 5V-Reglers geknallt - na herzlichen Glühstrumpf! :197:

Es ist gar nicht gesagt, dass der Chip selbst dabei hops gegangen ist, es liegt aber natürlich im Bereich des Möglichen. Aber das kannst Du zum Glück ganz leicht testen:
Einfach noch einmal bei ausgeschaltetem Rechner am LDO5 messen. Wenn dort 5V anliegen, dann hat der Chip das überlebt.

Sicherheitshalber sollte man (wenn möglich) nie direkt am Chip messen, sondern am nächst gelegenen, daran angeschlossenen Bauteil.
Wenn sich eine Messung direkt am Chip nicht vermeiden lässt, dann empfiehlt es sich, einen Streifen Klebeband (ich empfehle Kapton) über die Pinreihe zu kleben und dieses am gewünschten Pin mit einer Stecknadel zu durchstechen. Das reduziert die Gefahr des versehentlichen Abrutschens auf quasi Null.
Zum Ablösen des Klebebands, falls Du statt Katon Tesafilm verwendest, einen Tropfen Benzin auftragen. Dann entsteht keine nennenswerte statische Elektrizität beim Abziehen.


Erst wenn ich den Einschaltknopf drücke springt die OCP an.
Das bedeutet, dass der Embedded Controller noch OK ist. Das ist auch zu erwarten, denn der hängt ja an 3,3V. Dein Kurzschluss müsste aber am 5V LDO gewesen sein.
Wenn der APW8812 noch OK ist, dann ist auf jeden Fall etwas "putt", was dieser LDO5 sonst versorgt hat.

Begrenze den Strom Deines Labornetzteils mal auf ca. 3A und achte auf Erwärmung. Huste darauf, dass die Spannung am Netzteil dabei herunter bricht.
Das defekte Bauteil wird sich in Deinem Fall todsicher durch Erwärmung verraten.
Wenn Du Pech hast, ist aber mehr als nur ein einziges Bauteil kaputt.

Generell gehen Bauteile zumeist entweder satt hochohmig, oder satt niederohmig kaputt.
Du hast natürlich einen niederohmigen Defekt vorliegen, aber es könnte sein, dass unmittelbar zuvor noch 1, 2, 3 ... andere Buteile hochohmig hopps gegangen sind.
Erst ab dem Moment, wo das erste Bauteil niederohmig kaputt geht, ist der Rest der Platine vor der Überspannung geschützt.
Mit Glück ist gleich das erste Bauteil niederohmig über die Klinge gesprungen.

Niederohmig kaputte Bauteile verraten sich jedenfalls durch Erwärmung, wenn man hinreichend Strom hindurch rauschen lässt.

Normalerweise dürfte hinter dem LDO5 gar kein hoher Strom fließen können.
Obwohl in dem Bereich sicherlich irgendwas "putt" ist, wirst Du wohl noch per Domino-Effekt an anderer Stelle einen Kurzen haben.
Möglicherweise ist einer der Schaltwandler verstorben.
Er reagiert zwar noch auf die Freischaltung vom Embedded Controller, aber der Lastteil ist defekt.


aber solch ein filigranes Bauteil habe ich noch nie aus und wieder eingelötet.
Keine Bange, "hier werden Sie geholfen" ... bis Ihnen "gehilft" ist:
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17

Mittwoch, 18. April 2018, 19:57

OK, der Tipp mit dem Klebeband ist gut, daran habe ich gar nicht mehr gedacht, obwohl ich es hier irgendwo schon gelesen hatte :198:. Auf jeden Fall werde ich das nicht mehr vergessen, durch Fehler lernt man besser.

Ich habe das OCP am Labornetzteil deaktiviert und den Strom auf 1.3A begrenzt. Nur wenn ich den Einschalter gedrückt halte fließt der Strom, das sonnst der Schutzmechanismus greift und er sofort Wieder ausgeht. Die Spannung am Netzteil bricht sofort auf ca 9V ein. Mit meinem Human-Heat-Detector (Finger) konnte auf die Schnelle ein sehr heißes Bauteil ausfindig machen. Mittig von den 3.3V und 5V Spule sind zwei Bauteile (ich tippe mal auf Tantalkondensatoren) mit der Aufschrift NEB EW6. Das Bauteil auf der 5V Seite wird sehr schnell sehr heiß. Die Vermutung mit den 19V auf 5V stimmt daher.

Ich habe eine SMD Heißlustlötstation, habe damit bisher nur Kerkos und zum Testen kleinere Chips ausgelötet. Habe aber noch nie ein Chip mit Thermal Pad auf der Unterseite gelötet. Im Datenblatt des APW8812 steht immerhin, dass der Chip 260°C für 10 Sekunden ab kann.

Ich werde dann mal versuchen herauszufinden was NEBEW6 genau ist.

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18

Donnerstag, 19. April 2018, 04:40

Mittig von den 3.3V und 5V Spule sind zwei Bauteile (ich tippe mal auf Tantalkondensatoren) mit der Aufschrift NEB EW6.
Ja, das sind Tantals. Mal wieder welche mit einer obertollen, kryptischen Kurzbezeichnung.
Jedenfalls liegen die, wenn ich mich nicht schwer täusche, doch an der 19V-Rail ...
Da stellt sich die Frage, wie davon einer kaputt gegangen sein soll?
- Hast Du eventuell mal die Spannung vom Labornetzteil versehentlich verpolt angeschlossen?
Bei überbrückten MOSFETs wäre der durch sie sonst gegebene Verpolschutz außer Kraft. Und Tantals mögen Verpolung gar nicht.


Ich habe eine SMD Heißlustlötstation, habe damit bisher nur Kerkos und zum Testen kleinere Chips ausgelötet. Habe aber noch nie ein Chip mit Thermal Pad auf der Unterseite gelötet. Im Datenblatt des APW8812 steht immerhin, dass der Chip 260°C für 10 Sekunden ab kann.
Keine Bange, ist nicht wild. Dauert nur länger, als bei Bauteilen ohne Thermalpad.
Unterwärme wäre sehr zu empfehlen. Es geht auch ohne, aber man muss dann ordentlich lange "durchheizen".

Die Temperaturanzeige der Heißluftstation lügt übrigens sowieso, verlasse Dich nicht auf die.
Wenn ich bei meiner Station weniger als 380 Grad einstelle (dreihundertachtzig!), dann kriege ich einen Chip mit Thermalpad nie & nimmer raus. Trotzdem dauert es geschätzte zwei bis drei Minuten.
Würde es schneller gehen, dann wäre die Temperatur zu hoch.
Ich achte da aber schon gar nicht mehr drauf, sondern lötet nur noch nach Gefühl.

Ein guter Indikator ist das daneben liegende Hühnerfutter. Halte zunächst nicht etwa direkt auf den Chip, sondern auf das Hühnerfutter daneben. Wähle Temperatur, den Abstand und die Verweildauer der Heißluftdüse so, dass es gute zwei Minuten dauert, bis die ersten Kerkos lose werden (immer mal mit der Pinzette anstupsen). Wenn das der Fall ist, dann ist die Platine unter dem Chip bereits genügend durchwärmt, um loslegen zu können. Erst dann halte die Düse auf den Chip. Und Geduld! Er wird kommen! Die Temperatur war gut eingestellt, sonst wäre das Lot an den zuvor erhitzten Kerkos nicht geschmolzen, binnen der erwarteten Zeit. Gebe dem Chip die jetzt noch benötigte Zeit, sich ordentlich durchzuhitzen.

Zum Einlöten eines neuen Chips halte sogar noch länger drauf!
Wenn die Temperatur nicht wirklich zu hoch eingestellt ist, dann kannst Du (obwohl ich es nicht empfehle) problemlos eine volle Minute lang das Lot flüssig halten, also vergiss das mit den 10 Sekunden, was da im Datenblatt steht.
Ich habe solche Chips schon mehrere Male testweise sechsmal(!) aus- und wieder eingelötet. Und in allen Fällen haben sie es überlebt und funktionierten hinterher einwandfrei!
Solange man sie nicht überhitzt, ist eine zu lange Heizdauer gar nicht sonderlich schlimm.
OK, man soll nicht übertreiben, denn natürlich altern Bauteile bei Misshandlung. Ich will nur zum Ausdruck bringen, dass die wahre Gefahr in der Überhitzung liegt und nicht in der Heizdauer. Also nicht nervös werden und nicht die Temperatur hochdrehen, wenn ein Bauteil mal nicht kommen will, sondern einfach länger draufhalten.

Ich lege mir einen neuen Chip immer (mundfertig korrekt ausgerichtet) auf einen kleinen Klecks Flux parat (pastöse Konsistenz).
Alten Chip runter, sofort etwas Flux druff, dann den zuvor eingefluxten Chip aufsetzen, ihn so ca. 20 Sekunden lang auf der Platine akklimatisieren lassen und erst dann wieder mit Heißluft drauf. Und dieses Mal wirklich ausreichend lange. Das Flux unter dem Chip muss entweichen können, das dauert! Wenn Du dabei zu ungeduldig bist, dann können Gasbläschen zwischen Chip und Platine verbleiben, wo eigentlich eine vollflächige Verlötung des Thermalpads gewünscht ist.

Etwas Vibration ist übrigens hilfreich. Eine Heißluftstation mit Membranpume rüttelt den Tisch schon ganz gut durch. Sonst den Chip mehrfach anstupsen, oder mit der freien Hand mehrfach auf den Tisch hauen. All das unterstützt die Selbstausrichtung und hilft dem verdampfenden Flux beim Entweichen.
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19

Mittwoch, 16. Mai 2018, 03:30

Hey Kijan, bist Du weiter gekommen?

Deine Tantals haben übrigens 6,8µF/25V und sind von NEC/TOKIN.

Die Kurzbezeichnung schlüsselt sich wie folgt auf:
NE steht einfach für "NeoCapacitor" - Tantalkondensatoren neuerer Generation, mit niedrigem Innenwiderstand.
B Das "B" hinter dem "NE" ist einfach bloß ein einstelliger Datumscode, ergo unwichtig.
EW6 Das ist der eigentliche Kurzcode, der besagt, dass das Teil 6,8µF und 25V Spannungsfestigkeit hat.
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