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Samstag, 6. Oktober 2018, 19:59

Terra Mobile 1450 II Ladeschaltung defekt

Hallo liebe Forengemeinde,

ich bin vor kurzen erst auf dieses sehr schöne und informative Forum gestoßen. Da ich auch sehr gerne bastele und Fehler und Defekte versuche selber zu reparieren - man kann ja noch so viel lernen - will ich, nachdem ich mit meinen Fähigkeiten und vorallem Wissen am Ende bin meinen kleinen "aktuellen" Fall dabringen.

Kapitel 1: Die Symptome

Ich habe hier das Ultrabook 1450II von Terra mobile und dieses litt vor einiger Zeit an einem "aufgeblähten" Akku. Es fiel durch ein gewölbtes Gehäuse auf. Natürlich habe ich diesen direkt entfernt und entsorgt. Da ich das Ultrabook aber gerne mobil nutzen möchte, bestellte ich über den Hersteller einen neuen Akku. Nach dem Einbau, schien der Akku aber nicht zu laden. Windows gestartet zeigte, dass dieser nicht erkannt wurde. Alle softwareseitigen Tipps und Hinweise habe ich abgearbeitet, das Problem blieb. Strom lieferte der Akku zumindest, Betrieb war damit möglich. Also nahm ich an, die Elektronik im Akku sei defekt, sodass er daher nicht mehr lädt (kann das überhaupt sein?). Diesen Akku habe ich daher wieder umgetauscht. Der 2. neue Akku zeigte dann jedoch exakte die selben Symptome. Läuft alles einwandfrei, aber der Akku wird nicht geladen. Habe dann getestet wie lange der Akku läuft .... nach einer Stunde ging der Rechner aus (lädt also wirklich nicht^^).

Kapitel 2: Der Blick ins innere

Hauptplatine ausgebaut und nach offensichtlichen Defektstellen gesucht. Sieht alles ganz gut aus. Nach etlichen Youtube-Videos und Forenbeiträgen (zum Glück auch irgendwann dieses schöne Forum, vielen Dank schonmal an den Anfangkurs Stromversorgung), hatte ich eine ungefähre Ahnung nach welchen Bauteilen ich suchen muss und wie sie evtl. zu identifizieren sind (es gab zum Terra Mobile 1450II hier schonmal einen Beitrag). Aber hier hört mein (angeeignetes) Wissen auch schon auf und ich gestehe das ich dann teilweise eher am raten bin. Auf folgenden Bildern habe ich die Situation hoffentlich verständlich zusammengefasst. Die angegebenen Werte sind meine Messungen mit dem Multimeter gegen Masse, bei angeschlossenem Netzteil und bei den hellblauen auch mit gleichzeitig angeschlossenem (entladenem 9,6 V, kommt das Netzteil dazu sind es 10,6 V) Akku.

Ich bin mir nicht sicher in wie weit ich die Bauteile richtig identifiziert habe, der IC welcher die Eingangsschaltung "lenken" sollte konnte ich nicht finden. Ich hoffe ihr könnt mir dabei helfen, dann lerne ich vlt mal wieder etwas :-)

Top Main_PCB klein.jpg

Bottom Main_PCB klein.jpg


Kapitel 3: Fehler finden


Top-Seite: An dem vermeintlichen Shunt Wiederstand liegen 19 V an. Ob das MOSFET daneben zum Eingang gehört bin ich mir nicht sicher. Zeigt auch ein Verhalten welches ich nicht deuten kann, da die Pins auf einer Seite (alle) stätig beim messen an Spannung verlieren.

Bottom-Seite: Die beiden 0 Volt Messungen am MOSFET nahe dem Akku scheinen mir, mit dem Problem zusammenzuhängen. Aber warum zeigen zwei Pins 0 Volt, hätte jetzt nur auf das Gate getippt und das ist doch immer nur einer oder? Ist die Pinbelegung der MOSFETS sehr unterschiedlich? In den Datenblättern steht immer Top-View und dann links und rechts die Pins (4 Drain, 3 Source 1 Gate), was aber genau ist Top-View? Schrift von links oder von rechts lesbar? Wenn ich den MOSFET hindrehe das ich lesen kann was drauf steht, sind die Pins ja oben und unten (wohl sehr banal die Frage).Wie müsste ich weiter vorgehen, um den Fehler einzugrenzen?

EDV-Dompteur

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2

Samstag, 6. Oktober 2018, 21:55

Hallo Filzstift,

das war mal ein vorbildlich vorbereitetes Posting, ganz dickes Lob! :562:

Also nahm ich an, die Elektronik im Akku sei defekt, sodass er daher nicht mehr lädt (kann das überhaupt sein?).
Das gibt es durchaus. In einem Notebook-Akku steckt sogar verblüffend komplexe Elektronik, so richtig mit eigenem Mikrocontroller.
- Kein Scherz, ist wirklich so!
Schau mal hier:
Der Notebook-Akku ist ein Verräter!

Öh, ich stutze gerade selbst über das dortige Bild, aber ich schwöre, dass dort ein echter Mikrocontroller drin steckt, der per I2C mit dem Rechner kommuniziert!


Ist die Pinbelegung der MOSFETS sehr unterschiedlich?
Nö, die ist immer identisch.


was aber genau ist Top-View?
Top-View ist, wenn der MOSFET eingelötet ist und man dann oben drauf guckt.
Also nicht der Blick auf die Unterseite des nicht eingelöteten Bauteils.

Für den Normalanwender ist das natürlich "logisch" so, denn der bekommt ja immer nur die Draufsicht (TOP-View) zu Gesicht.
Für einen Platinenlayouter hingegen, ist es anders. Der hat mit zweiseitig bestückten Platinen zu tun, die er im CAD-Programm in allen drei Dimensionen beliebig rotieren und zudem auf transparent schalten kann. Da verliert man schon mal den Überblick, wo überhaupt "oben" (TOP) oder "unten" (Bot / Bottom) ist.

Für Dich gilt also die normale TOP-View. Du schaust von oben auf das eingelötete Bauteil.
Pins 1 ist auf dem Gehäuse mit einem dicken Punkt markiert und die Zählrichtung der Pins läuft von dort gegen den Uhrzeigersinn.

Die Ausrichtung der Beschriftung ist nicht explizit festgelegt, aber ausnahmslos alle Hersteller scheinen sich daran zu halten, dass man die Beschriftung direkt lesen kann, wenn Pin 1 nach links unten zeigt.
Aber vergiss die Beschriftung - der dicke Punkt, der Pin 1 markiert, ist entscheidend!


Wie müsste ich weiter vorgehen, um den Fehler einzugrenzen?
Frage vorweg: Läuft der Rechner ohne Akku, wenn er am Netzteil hängt?
Frage 2: Wie bist Du ausgestattet, besitzt Du ein Oszi?

Akku-Ladeprobleme können bei Notebooks ziemlich garstig sein; es ist komplexer als man vermuten würde, was dort abläuft. Kein Vergleich zum Laden eines KFZ-Akkus!

Wenn der Rechner ohne Akku, rein am Netzteil, läuft, dann probiere zunächst mal ein BIOS-Update, bevor wir uns so richtig tief in die Elektronik verbeißen.
Denn der mit dem BIOS verbandelte Embedded Controller spielt gleich in zweifacher Weise in den Ladevorgang mit rein und der hat jede Macht, das Laden zu unterbinden.
Vielleicht reicht sogar schon ein CMOS-Reset und alles ist wieder gut.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

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3

Sonntag, 7. Oktober 2018, 14:57

Vielen lieben Dank für deine Antwort.
Jetzt bin ich schon wieder ein bischen schlauer geworden.
Ja der Rechner läuft einwandfrei ohne Akku mit Netzteil. Auch mit Akku und Netzteil läuft er (erkennt nur den Akku nicht). Und wäre der Akku voll, würde er auch ohne Netzteil laufen.
Ein CMOS reset reicht leider nicht. Da die 3V Batterie schon leer war, hatte ich dadurch quasi in letzter Zeit öfters einen ungewollten CMOS reset (müste ja selben Effekt haben oder?). BIOS hatte zwar nie gemeckert aber da das Datum des Systems immer um Jahre zurückgesprungen war, fiel es auf. Die alte war bereits bei nur noch 0,6 V. Ist jetzt eine neue Batterie drinnen.

Das mit dem BIOS ist ein guter Tipp, darauf bin ich noch nicht gekommen. Online gibt es leider über den Hersteller kein BIOS und der Boardhersteller (American Megatrends) verweist in der Regel auf den Systemhersteller. Ich werde morgen mal probieren anzurufen (bei Wortmann) ob sich da was machen lässt.

4

Mittwoch, 10. Oktober 2018, 18:31

Habe ein neues BIOS direkt vom Hersteller bekommen. Habe es geflasht aber der Akku lädt leider weiterhin nicht. Soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, keine Veränderung der Symptome.
Schaue ich mir nochmal die MOSFETS an, bin ich immernoch stutzig über den ganz links unten (am Akku Anschluss): Keine Spannung am Gate und an einem Source Pin. Was bringt ihn dazu nur an zwei von drei Sourcepins Spannung aufzubauen?

EDV-Dompteur

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5

Mittwoch, 10. Oktober 2018, 22:01

Schaue ich mir nochmal die MOSFETS an, bin ich immernoch stutzig über den ganz links unten (am Akku Anschluss): Keine Spannung am Gate und an einem Source Pin. Was bringt ihn dazu nur an zwei von drei Sourcepins Spannung aufzubauen?
Du meinst den Q42, direkt über der 4R7-Spule?
Nach dem Layout zu urteilen, ist das kein normaler Single-MOSFET. Leider kann ich die Beschriftung nicht erkennen; mit der könnte man das Datenblatt "ersuchmaschinieren".

Es wird mit Sicherheit ein dualer-MOSFET sein. Denn zu einer Schaltwandler-Spule gehören immer zwei MOSFETs. Da ist auf beiden Platinenseiten kein weiterer in der Nähe, der in Betracht kommt.

Der Q80, rechts vom Akku-Anschluss, ist dem Layout nach zwar ein Single-MOSFET, aber der scheint mir mit dem Schaltwandler nichts zu tun zu haben. Vielmehr scheint das derjenige MOSFET zu sein, der die Akkuspannung auf die 19V-Rail schaltet.

Mit "19V-Rail" meine ich übrigens jenen Leitung hinter den beiden Eingangs-MOSFETs.
Bei Netzteil-Betrieb liegen dort 19V an. Bei Akku-Betrieb natürlich weniger, halt die Akkuspannung, die vom Q80 dorthin aufgeschaltet wird.
Diese Rail führt dann zu den Upper-MOSFETs der diversen Schaltwandler; daraus werden dann die diversen Einzelspannungen auf dem Mainboard erzeugt.


Wenn Du ein Oszi besitzt, oder wenn Du mal einen meiner Indikatoren nachbaust (siehe Schnellkurs), dann kannst Du damit den Wandler für die Akkuladung überprüfen.

Für den Ladevorgang wird vermutlich der zwanzigpolige Chip U61 zuständig sein. Leider kann ich auch hier die Beschriftung nicht erkennen.
Vermutlich ist es ein BQ24707, oder (etwas weniger wahrscheinlich) ein BQ24725.
Der reale Aufdruck auf dem Chip ist aber möglicherweise verkürzt, z. B. "BQ07A, oder BQ707. Das wäre dann mit vollem Namen ein BQ24707.

Im Datenblatt des Ladecontrollers wird jedenfalls die Schaltung abgebildet sein, die den Job tut. Mainboard-Hersteller weichen normalerweise nur wenig von den dortigen Schaltbeispielen ab.
Ob da nun zwei Single-MOSFETs zum Einsatz kommen, oder ein dualer MOSFET, ist natürlich prinzipiell wurscht.
Jedenfalls solltest Du die Beschriftungen des vermeintlichen Dual-MOSFETs und des vermeintlichen Ladecontrollers mal entziffern und dann versuchen, die Datenblätter irgendwo herunter zu laden.

Wenn es Schwierigkeiten gibt, dann poste bitte gut erkennbare Bilder davon.
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6

Freitag, 12. Oktober 2018, 14:22

Du meinst den Q42, direkt über der 4R7-Spule?



Ja genau diesen. Und du hattest Recht, das es ein dualer sein wird. Die Bezeichnung lautet SM4912 und im Datenblatt steht: Dual N-Channel Enhancement Mode MOSFET
Ich werde mir bei Zeiten mal deinen Indikator nachbauen, zu einem Oszi hab ich leider kein Zugang.
Der Q80 MOSFET ist ein 4496. Im Datenblatt fand ich die Anwendung für DC-DC Konverter. Also genau das wie du es bereits vermutet hast. :190:

Für den Ladevorgang wird vermutlich der zwanzigpolige Chip U61 zuständig sein. Leider kann ich auch hier die Beschriftung nicht erkennen.

Vermutlich ist es ein BQ24707, oder (etwas weniger wahrscheinlich) ein BQ24725.
Habe den Chip U61 gefunden und dieser trägt die Aufschrift: BQ725 was dann dem BQ24725 entsprechen sollte. Das Datenblatt auch hierzu konnte ich recht einfach finden :-)

Um hier etwas zu messen, werde ich wohl meine Multimeterspitze etwas verbessern/verkleinern müssen. Das schaue ich mir am Wochenende mal genauer an.

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7

Freitag, 12. Oktober 2018, 17:57

Um hier etwas zu messen, werde ich wohl meine Multimeterspitze etwas verbessern/verkleinern müssen.
Nimm eine Stecknadel und knipse den Kopf ab.
Die Nadel passt dann in einen 0,5mm Druckbleistift.
Der Klemm-Mechanismus, der auch den Vorschub übernimmt, ist aus lötbarem Metall. Dort 'ne Strippe dran, zum Messgerät.

Bei manchen Druckbleistiften ist auch das Vorratsröhrchen aus Metall und dieses ist leitend mit dem Klemmhalter verbunden.
Und dieses Vorratsröhrchen hat den gleichen Innendurchmesser, wie eine Bananenbuchse. Dort passt ein Bananenstecker also perfekt rein und gibt sicheren Kontakt. Da muss also gar nicht erst gelötet werden.

Wann immer möglich, messe nicht direkt am IC, sondern verfolge optisch die Leiterbahn bis zum nächsten Bauteil. Dort kann man sicherer messen, mit erheblich geringerer Kurzschlussgefahr.

Und wegen Oszi: Kennst Du diesen Thread schon?
https://www.edv-dompteur.de/forum/index.…ad&threadID=306
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8

Samstag, 20. Oktober 2018, 16:46

Vielen Dank für den Oszi-Thread Hinweis. Werde mir wohl ein einfaches mal bestellen ;-)

Habe auch einen deiner Indikatoren nachgebaut und dieser scheint auch halbwegs gut zu funktionieren. Dabei noch ein kleiner Hinweis für den Indikator Thread: ich hatte Probleme auf alten Mainboards Schottky-Dioden zu identifizieren. Dadurch habe ich lange Zeit für die Bauteilsuche investiert und war mir immer unsicher ob es sich nun um eine solche handelt und welche Werte die haben könnte. Für Neulinge wäre da ein kleiner Exkurs eine wunderschöne Sache :-)
So zurück zu meinem "Problemboard":
Beim testen von dem Indikator ist mir etwas neues aufgefallen. Da mir keine andere Erklärung einfällt, habe ich wohl selber einen weiteren Defekt hinzugefügt ohne das es mir bewusst war oder aufgefallen wäre. Seit heute sind die Schaltwandler von 5V und 3V inaktiv. Bei angeschlossenem Netzteil, finde ich dort keine Spannungen mehr. Folglich geht natürlich gerade garnichts mehr.
Eine Ausnahme gibt es, schließe ich den Akku an lässt sich der Computer starten und es liegen dann auch die 5V und 3V an (Indikator leuchtet dann auch, weshalb ich weiß der dieser auch funktioniert).

Die 19 V vom Eingang lassen sich nur bis zum im Bild markierten Kerko verfolgen. An diesem liegen "vorne" 19 V an aber dahinter ist nichts mehr.


Müsste nicht die 19 V Leitung direkt in einen MOSFET gehen und dort am Source Pin anliegen?
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Kleine Ergänzung: Einen Mosfet konnte ich finden, welcher die 19 V auf der Drain Seite hat aber nichts durchgeht.

EDV-Dompteur

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9

Samstag, 20. Oktober 2018, 23:40

Die 19 V vom Eingang lassen sich nur bis zum im Bild markierten Kerko verfolgen.
Welches Bild?

Edit: Vermutlich aus dem Startposting?
- Sorry, ich würde gerne ausführlich antworten, aber mein rechtes Auge quält mich ... ich muss abbrechen und brauche Dunkelheit. Tschuldigung!
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10

Sonntag, 21. Oktober 2018, 11:19

Pflege erstmal in Ruhe deine Augen bevor du weiter ließt! Gute Besserung dafür!


Hopla, mein Fehler, habe natürlich das Bild vergessen.

DSC01564.JPG

Also zur Korrektur meines letzten Beitrages. Die 19V kommen an dem im Bild gezeigen Widerstand an, passieren den bis zum Kondensator. Desweiteren konnte ich die 19 V noch bei einem MOSFET (Q125 - Bild bottom im ersten Post) auf den 4 Drain Pins messen. Und ich habe in der Umgebung des U61 Ladechips auch an einem Kerko 19 V messen können. Ansonsten sind auf dem Board nur noch sehr niedrige oder keine Ströme zu finden (Kein Akku angeschlossen).

EDV-Dompteur

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11

Sonntag, 21. Oktober 2018, 19:09

Hinweis für den Indikator Thread: ich hatte Probleme auf alten Mainboards Schottky-Dioden zu identifizieren. Dadurch habe ich lange Zeit für die Bauteilsuche investiert und war mir immer unsicher ob es sich nun um eine solche handelt und welche Werte die haben könnte. Für Neulinge wäre da ein kleiner Exkurs eine wunderschöne Sache :-)
Ja, danke für die Rückmeldung.
Es ist so: Minimale Elektronik-Kenntnisse muss ich voraussetzen, wenn sich jemand an Chiplevel-Reparaturen heran traut.
Denn wenn ich für völlige Laien schreibe, dann wird es quälend langatmig. - Nicht selten plagt mich dieses Gefühl ohnehin, denn ich finde, dass ich schon auf sehr tiefen Level schreibe, also allerhand Selbstverständlichkeiten gar zu ausführlich behandle.

Es bleibt halt immer irgendwo ein Kompromiss. Aber einen vollständigen Elektronik-Kurs will ich hier nicht bringen, davon ist das Internet ohnehin voll.
Wer nicht weiß, was eine Schottky-Diode ist, der möge Wikipedia bemühen. Oder YouTube etc. etc.


Also zur Korrektur meines letzten Beitrages. Die 19V kommen an dem im Bild gezeigen Widerstand an
Ich weiß nicht, welche Aufgabe dieser Widerstand hat, aber er wird unerheblich sein.


Desweiteren konnte ich die 19 V noch bei einem MOSFET (Q125 - Bild bottom im ersten Post) auf den 4 Drain Pins messen.
Um ganz sicher zu gehen, mache bitte einen Durchgangstest vom Pluspol der Buchse zum vermuteten ersten Eingangs-MOSFET. Da muss eine Verbindung bestehen.
Besteht diese Verbindung, dann ist definitiv der richtige MOSFET gefunden.
Wenn Spannung vom Netzteil anliegt, dann muss an allen Drain- und Source-Anschlüssen dieses MOSFETs 19V zu messen sein.

Nach dem ersten MOSFET geht es direkt weiter zum zweiten. In aller Regel ist diese Verbindung zwischen den beiden mit bloßem Auge erkennbar, anhand der Leiterbahnen.
Auch dieser zweite MOSFET muss vollständig durchschalten, wenn über die Buchse Eingangsspannung zugeführt wird.

Und wie ich vermute, klemmt es hier.
Wenn die beiden MOSFETs nicht durchsteuern, obwohl - wie du schreibst - die 19V noch an den vier Drainpins anliegen, dann ist entweder einer davon im Eimer, oder der Power-Management-Chip tut seinen Job nicht.
- Letzteres halte ich aber für weniger wahrscheinlich, weil dieser Chip auch dafür verantwortlich ist, den Saft vom Akku durchzustellen. Und das tut er ja noch.

Man könnte jetzt akademisch die Schaltung analysieren und gezielt das defekte Bauteil ausfindig machen und austauschen.
Man kann aber auch auf Verdacht (und mit sehr sehr hoher Erfolgswahrscheinlichkeit) einfach beide Eingangs-MOSFETs austauschen. Die liegen ja nebeneinander, es ist also ein einziger Abwasch.
Aber all das nur unter der Voraussetzung, dass wirklich die MOSFETs sperren. Schalten die nämlich durch, dann liegt der Fehler natürlich woanders.
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Dienstag, 23. Oktober 2018, 19:09

Es bleibt halt immer irgendwo ein Kompromiss. Aber einen vollständigen Elektronik-Kurs will ich hier nicht bringen, davon ist das Internet ohnehin voll.



Das stimmt! Es gibt genug gute Elektronikgrundlagen im Internet zu finden.
Was eine Diode ist, wie sie arbeitet und wozu sie gut ist und welche Arten es grob gibt weiß ich bzw. kann man einfach nachlesen bei Bedarf, das meinte ich aber garnicht. Sondern, dass ich auch mit Recherche im Internet mir nicht sicher war ob es sich bei der gefundenen Diode (auf einem Board) um eine z.b. Zenerdiode oder Schottky-Diode handelt. Die Polung ist ja wiederum sehr einfach zu erkennen. Wahrscheinlich gibt es ein sehr banales Erkennungsmerkmal, verzeih mir wenn die Frage zu grundlegend war oder schlecht gestellt.




Um ganz sicher zu gehen, mache bitte einen Durchgangstest vom Pluspol der Buchse zum vermuteten ersten Eingangs-MOSFET. Da muss eine Verbindung bestehen.
Besteht diese Verbindung, dann ist definitiv der richtige MOSFET gefunden.


Ja der Durchgangstest war positiv.
Die Verbindung der beiden MOSFETS ist optisch sehr gut zu erkennen. Sind also beides definitiv die Eingangsmosfets.



Ich habe mir mal das DSO112A bestellt. Wenn das da ist, müsste ich damit ja theoretisch prüfen können ob diese durchschalten oder nicht?
Die Zeit habe ich ja, da es sich für mich um ein Hobbybastel- und Lernprojekt handelt und um keine dringende Reparatur.

Werde mich dann die Tage mal in die Funktionsweise und Diagnosemöglichkeiten des DSO einlesen/einarbeiten.

EDV-Dompteur

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Dienstag, 23. Oktober 2018, 20:02

ob es sich bei der gefundenen Diode (auf einem Board) um eine z.b. Zenerdiode oder Schottky-Diode handelt.
Zenerdioden in so dickem Gehäuse sind unüblich.
Man kann die Schottky-Dioden aber leicht mit Tantal-Kondensatoren verwechseln. Die Bauform ist identisch und die aufgedruckten Kennzeichnungen sind oft kryptisch.

Tantals sind aber oft gelb, Schottkys dagegen immer schwarz.

Wahrscheinlich gibt es ein sehr banales Erkennungsmerkmal
Ja, das gibt es: den in jedem Multimeter integrierten Diodentest.
Den verwendet man im spannungsfreien zustand. Er speist einen kleinen Strom ins Bauteil ein und zeigt dann die Flussspannung der Diode an, die so ungefähr bei 0,3V liegt.
In Sperrrichtung hingegen, zeigt der Diodentester idealerweise das gleiche an, wie bei nicht angeschlossenen Messleitungen.

Insbesondere der letzte Punkt (in Sperrrichtung) gilt aber nur für das bereits ausgelötete Bauteil. Bei noch eingelötetem Bauteil hingegen, hängt ja die gesamte Schaltung des Mainboards sozusagen parallel am Bauteil, was insbesondere den Test in Sperrrichtung verwässert. Trotzdem kann man mit etwas Übung ratzfatz eine Schottky von anderen Bauteilen unterscheiden. Verwechslungsgefahr besteht ja praktisch nur zu Tantals und die verhalten sich auch in eingelötetem zustand deutlich anders.

Alternativ kann man die Schottkys natürlich auch kaufen, ich hatte ja hier einen geeigneten Typen angegeben (PMEG4010EJ).


Ich habe mir mal das DSO112A bestellt. Wenn das da ist, müsste ich damit ja theoretisch prüfen können ob diese durchschalten oder nicht?
Dazu reicht schon der Spannungstest per Voltmeter; dazu ist kein Oszi erforderlich. An sämtlichen Drain- und Source-Pins beider MOSFETs sollten 19V Gleichspannung zu messen sein, andernfalls steuert mindestens einer davon nicht durch.

Trotzdem würden mich Deine Erfahrungen mit dem DSO112 interessieren!
Ich selbst habe (dank Leo!) neben meinem alten Hameg noch ein DSO150. Dessen Bedienung ist ziemlich ultimativ einfach, aber leider hat meines noch eine fehlerhafte Firmware, die man dort nur recht umständlich aktualisieren kann, was ich bislang noch nicht in Angriff genommen habe.
Ich hinke zeitlich leider an vielen Stellen hinter meiner Planung her.

Das von dir bestellte DSO112A hat eindeutig die besseren technischen Daten, ich weiß aber nicht recht, ob man mit der Bedienung wirklich glücklich wird.
Diesbezüglich bin ich gebranntes Kind, weil ich außerdem auch noch ein DSO203 (DSO Quad) besitze, das zwar recht gute Daten aufweist, aber leider wirklich ausgesprochen umständlich zu bedienen ist. Das Teil taugt gut, um es auf Außeneinsätzen als Notnagel mit dabei zu haben, FALLS man es mal braucht. Aber für den Einsatz in der Werkstatt ist es viel zu zäh zu bedienen, da nehme ich dann doch lieber mein klobiges, altes Analogoszi von Hameg.

Für die Notebook-Reparatur braucht man keine abgedreht hohen Leistungsdaten, da ist eine flüssigere Bedienung schon wertvoller. - Jedenfalls für mich, weil ich täglich damit zu tun habe und es im Arbeits-Alltag immer flott gehen muss. für Gelegenheits-Anwender sieht das natürlich anders aus.
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

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