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1

Samstag, 8. Mai 2021, 11:36

Cola auf Laptop verschüttet

Hi zusammen,
ich hab gestern aus Versehen Cola über meinen Laptop (fujitsu lifebook e449) verschüttet (Flasche umgefallen).
Hab den Laptop sofort umgedreht, leider brauchte ich wegen der komischen Akku-Verriegelung ca. 2 Min. um den Akku zu entnehmen.
(Netzteil war nicht angeschlossen).
Hab den Laptop dann ca. 5 Std. verkehrt herum liegen gelassen, dann Akku wieder rein und versucht, einzuschalten,
tat sich aber gar nichts.
Also Akku wieder raus.
Heute das gleiche wieder versucht - und siehe da, Laptop läuft wieder.

Nun meine Frage:
Soll ich Laptop so lassen oder zerlegen und reinigen ??

EDV-Dompteur

Administrator

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2

Samstag, 8. Mai 2021, 12:12

Definitiv SOFORT zerlegen! Hoffentlich ist es noch nicht zu spät.

Cola ist wegen dem Säuregehalt irrsinnig aggressiv. Das Zeug korrodiert die feinen Metallschichten ruckzuck kaputt.
Wegen dem zudem enorm hohen Zuckergehalt trocknet eine damit bekleckerte Stelle auch niemals vollständig; der Zucker zieht immer wieder Luftfeuchtigkeit an und hält die Korrosionsvorgänge am Laufen.

Oberflächliche Sichtkontrolle reicht da auch nicht, die Flüssigkeit zieht sich per Kapillareffekt unter die ICs und Folien und rottet dort alles kaputt.

Wenn das Mainboard auch nur einen kleinen Spritzer abbekommen hat, dann muss es von allen entfernbaren Teilen, Folien etc. vollständig befreit werden und dann als erste Tat ausgiebig in Wasser mit etwas Spülmittel gebadet werden.
Aber das ist nur die halbe, bzw. viertel Miete - je nach Schadensbild muss noch andere Chemie ran. Bemühe mal von der Portalseite des Forums aus die Suchfunktion und suche nach "Flüssigkeitsschaden". Dann findest Du Beiträge, die die ganze Prozedur beschreiben.

Ganz wichtig ist, dass nach scheinbar kompletter Trocknung mit dem Föhn etc. das Mainboard noch für mindestens(!) 24 Stunden auf die voll aufgedrehte Heizung gestellt wird, bevor - nach ausgibiger Sichtkontrolle - ein erster Einschaltversuch gewagt werden kann.
Wasser diffundiert in die Resinummantelung der ganzen ICs, MOSFETs etc. ein, weswegen oberflächliche Trocknung nicht ausreicht, selbst wenn Du eine halbe Stunde im Stück föhnen würdest, obwohl ja schon nach 2-3 Minuten alles knochentrocken wirkt.

Deine Tastatur wird wahrscheinlich bereits hinüber sein, aber probiere mal, ob Du sie mit einem Vollbad und anschließender Trocknung mittels Druckluft (zur Not eine Ballonpumpe etc.) und ebenfalls 24 Stunden Durchtrocknung auf der Heizung vielleicht noch retten kannst (wobei ich da pessimistisch bin).

Tastaturen sterben nach Flüssigkeitseinwirkung erfahrungsgemäß binnen Stunden, aber auf jeden Fall "von heute auf morgen". Je mehr Säure im Spiel ist, umso schneller.
Cola und Wein sind echt die übelsten Zerstörer überhaupt!
Macht Technik dir das Leben schwör, ruf' schnell den EDV-Dompteur! ;-)

- Technische Fragen zu Eigenreparaturen bitte öffentlich im Forum stellen, nicht telefonisch! -

3

Samstag, 8. Mai 2021, 20:21

Hi,
danke schonmal für die Infos..
Hab das Teil jetzt zerlegt, wie es aussieht, hat es nur das Platinchen mit dem Einschaltknopf und den LEDs erwischt.
Siehe Foto.
Kann ich das Teil einfach ins Ultraschallbad (hätte Emag EM-303 da) werfen oder lieber von Hand mit Isopropanol und Bürste ??
»Instam« hat folgende Dateien angehängt:
  • E449_PWR.jpg (204,69 kB - 73 mal heruntergeladen - zuletzt: Gestern, 23:14)
  • E449_PWR2.jpg (202,19 kB - 66 mal heruntergeladen - zuletzt: Gestern, 23:01)

4

Sonntag, 9. Mai 2021, 03:01

Ich denke Utraschallbecken kann nicht schaden. Im Apple forum wurde sogar damals geraten die Platine damit mit Ultraschallreiniger und Wasser + tickopur RW77 zu reinigen.
jetzt lese ich aber hier das das Wasser auch nicht gut sein soll.
Aber in Deinem Fall musste ja die säure irgendwie wegbekommen. denn cola besteht aus phosporsäure und zucker.
Ich selber habe jedenfalls früher immer Platinen von iphones in ein Ultrascchallbecken mit Tickopur ultraschallreiniger gelegt.

Danach wurde weiter mit destiliertem Wasser gereinigt und dann auf der Heizplatte getrocknet oder halt mindestens 24 stunden liegen lassen.
noch nie ist dadurch was kaputt gegangen.
Ich wollte es mal genauer wissen warum Geräte gelegentlich erst nach tagen oder Wochen kaputt gehen wenn sie Wasser ausgesetzt werden. Deshalb habe ich dafür einen Wasserschadenversusch gemacht um das zu simulieren hier am ende dieser Seite kannste das Ergebniss anschauen https://christian-reber.jimdofree.com/mi…-wasserschaden/
Aber jetzt lese ich ja gerade das Wasser wohl doch nicht gut ist da es in das resin diffundiert jedoch habe ich damit noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.
Ich vermute es macht nicht wenn das nur kurzzeitig dem Wasser ausgesetzt ist solage alles stromlos ist.
Phosporsäure und damit cola ist übrigens sehr hygroskopisch also Wasseranziehend. Solange das zeug also noch auf der Platine klebt besteht vielleicht die Gefahr das es noch wasser anziehen kann und immer weiter korodiert. bei anderen flüssigkeiten würde ich mir da keinen kopf machen das Wasser z.b. verdampft und gut ist.
ein bischen kalkablagerung also Kalciumkarbonat dürfte kein Problem bereiten

5

Sonntag, 9. Mai 2021, 18:21

Hi all,

@Christian100:
Danke auch Dir für die Hilfe, interessanter Versuch :190:

Hab jetzt alles mit Isopropanol gereinigt, auf dem Mainboard war auch noch eine kleine verdreckte Stelle.
Laptop funzt auch nach Zusammenbau weiterhin, hoffe das bleibt so.

6

Montag, 10. Mai 2021, 03:14

Hallo @Instam wenn wir wissen wollen ob cola wirklich ein Problem ist sollten wir es mal auf ein tuch tropfen dann dazwischen 2 bleche als elektrode und halt warten ob cola völlig eintrocknet.
WEnn das der FAll wäre dann würde auch cola nicht mehr strom leiten also dann würde nur trocknen ausreichen.
Inzwischen mache ich das auch nicht mehr mit dem ultraschall und Tickopur.
ich reinige einfach mit pinsel und isopropanol. der Vorteil: durch die Wasserspuren kann ich besser einen Fehler finden.
Das Tickopur reinigt so gut das danach alles wieder glänzt und ich weis dann nicht mehr wo Wasser eingedrungen ist.

EDV-Dompteur

Administrator

Beiträge: 1 976

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Beruf: Techniker

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7

Dienstag, 11. Mai 2021, 01:14

Hab jetzt alles mit Isopropanol gereinigt, auf dem Mainboard war auch noch eine kleine verdreckte Stelle.
Laptop funzt auch nach Zusammenbau weiterhin, hoffe das bleibt so.
Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch!
Aber mir sei die Anmerkung gegönnt, dass reines Isopropanol nicht gut taugt, um wasserlösliche Substanzen zu entfernen. Das ist übrigens der Grund, warum auch hochprozentige Verdünnungen erhältlich sind, z. B. 70%. Da löst der Wasseranteil die wasserlöslichen Stoffe und den Rest erledigt das Isopropanol.
Darum war mein Rat, zuerst mit Spülmittel beizugehen. Das Isopropanol kommt erst ganz zuletzt zum Einsatz, hauptsächlich um das Wasser wieder los zu werden.
Das steht aber alles in den alten Postings, auf die ich schon verwiesen hatte, die über die Suchfunktion auffindbar sind.


wenn wir wissen wollen ob cola wirklich ein Problem ist sollten wir es mal auf ein tuch tropfen dann dazwischen 2 bleche als elektrode und halt warten ob cola völlig eintrocknet.
WEnn das der FAll wäre dann würde auch cola nicht mehr strom leiten also dann würde nur trocknen ausreichen.
Oh Christian, ich frage mich manchmal, was solche Beiträge sollen? :559:
Wenn ich in Posting Nr. 2 schon mit solcher Bestimmtheit schreibe, dass Cola zu den aggressivsten Sachen gehört, die man überhaupt über ein Notebook schütten kann, dann ist mir rästelhaft, wieso Du dann so etwas bringst?
Ich könnte tolle Bilder hervorkramen, wie ein Notebook von innen aussieht, das Bekanntschaft mit Cola machen musste!

Außerdem ist Dein vorgeschlagener Test doch echt Käse!
Die wahre Problemstelle ist dort, wo zwei unterschiedlich edle Metalle, die irgendwo Kontakt zueinander haben ("Stromschlüssel"), von einer elektrisch leitfähigen Flüssigkeit benetzt werden. Auf Deutsch: Lötstellen. Denn dabei bildet sich ein galvanisches Element, in dem sich das jeweils unedlere Metall zuerst zersetzt.
Bei Deinem vorgeschlagenen Test ist weder die Rede von unterschiedlich edlen Metallblechen noch gibt es in Deinem Vorschlag explizit einen sog. "Stromschlüssel", der den galvanischen Prozess überhaupt erst ankurbelt. Da würden also nur andere (mildere) Korrosionsarten auftreten können.

Ja, es gibt verschiedene Korrosionsarten.
Durch das unedle Lot, in Verbindung mit zum Teil sehr viel edleren Metallen, haben wir es bei Benetzung mit leitfähiger Flüssigkeit halt mit der besonders raschen Kontaktkorrosion, bzw. Bimetallkorrosion zu tun:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kontaktkorrosion

Flüssigkeiten wie Cola, oder Wein, sind nicht etwa nur elektrisch leitfähig, was für sich allein schon fett ausreichen würde, für den galvanischen Prozess, sondern diese Getränke sind darüber hinaus auch noch säurehaltig.

Und wie ich schon schrieb, kriegt man das Zeug niemals richtig trocken! Der hohe Zuckeranteil zieht immer wieder Luftfeuchtigkeit an. Das bleibt ewig klebrig und widerlich und für Galvanik ausreichend.
Und in diesem klebrigen Zustand haftet jeder Staub daran.
Hinzu gesellen sich dann noch Bakterien, die den Zucker verdauen wollen. Oder Schimmelpilz.

Also einfaches Trocknen reicht bei Cola ganz definitiv nicht!
- Bei gar keinem Getränk reicht das, allenfalls bei purem Wasser, wenn man viel Glück hat (was zu riskieren ich nicht empfehlen würde).
Im Notebook ist es immer dreckig. Da wird selbst reines Wasser verunreinigt und wird dann elektrisch leitfähig. Und dann korrodiert es so lange die Metalle kaputt, bis es endlich ganz trocken ist.
Darum sollte man selbst bei einem reinen Wasserschaden mit Isopropanol beigehen und die Platine richtig schön lange darin baden.

Wenn anschließend Lötarbeiten anstehen, muss auch ins Resin eindiffundiertes Wasser vollständig aus dem Material sein, sonst bekommt man es mit dem Popcorn-Effekt zu tun:
https://de.wikipedia.org/wiki/Popcorn-Effekt#Popcorn-Effekt


Aber um Dir mal einen sinnvolleren Test vorzuschlagen:
Nimm ein Schrott-Mainboard und bekleckere es mit einem Schwall Cola!
Und das schaue Dir dann einen Tag später mal genau an!
Da werden bereits ganze Bauteilanschlüsse mitsamt dem Lot weg korrodiert sein. Ganz zu schweigen davon, was nach drei Tagen los ist ...

Noch rascher geht es übrigens bei Geräten mit von außen nicht entfernbarem Akku. Da wird die Korrosion nicht nur von der Diferenz in der elekrochemischen Spannungsreihe angetrieben, sondern da kann es vorkommen, dass die (naturalmente sehr viel höhere) Akkuspannung den Prozess so richtig boostet.


Wenn ich einen Flüssigkeitsschaden auf den Tisch bekomme, dann lasse ich alle schon angefangenen Geräte sofort stehen und kümmere mich zunächst nur um den neuen Patienten! Denn das ist wirklich ein Wettlauf gegen die Zeit, das kann keinesfalls bis morgen, oder "bis später" warten!
Und per Paktezusendung nehme ich solche Fälle erst gar nicht zur Reparatur an, weil da eh nichts mehr zu retten sein wird, bis es bei mir ankommt.

Also dass Du es überhaupt in Erwägung ziehst, einen Cola-Schaden eventuell einfach nur trocknen zu lassen, haut mich echt um!
Generell zieht sich Flüssigkeit per Kapillareffekt unter alle ICs, unter alle Folien und so weiter! Man kommt gar nicht umhin, alles zu zerlegen, denn selbst bei reinem Wasser würde es doch Tage bis Wochen dauern, bis das trocken ist (nicht nur oberflächig, sondern "durch und durch"!)
Und wenn eh alles zerlegt ist, dann lässt doch kein gesunder Mensch den Schmodder druff!

Mannomann, ey!
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8

Mittwoch, 12. Mai 2021, 03:30

Nein so war das natürlich von mir nicht gemeint b.z.w. falsch verstanden.

Cola ist natürlich mit die schlimmste Flüssigkeit extrem gut leitend wegen der Phosphorsäure. Mein Wasserschadenversuch zeigt ja sehr anschaulich das jede Stunde Zeit extrem wichtig ist.

Aber noch wichtiger ist es eben sofort den Akku und Strom zu trennen. Ein reiner Flüssigkeitsschaden würde kein so großes Problem darstellen, wenn kein Strom anliegen würde aber durch die Elektrolyse strom und eine leitende Flüssikeit geht immer mehr Metall in Lösung über und vergrößert noch mehr die Leitfähigkeit.
bei unterschiedlichen Metallen plus Elektrolyt tritt natürlich noch zusätzlich der Effekt mit dem Galvanischen Element auf den Du Stefan erwähnt hattest.
Aber der Effekt mit der Spannung von ausen z.b. durch Akku oder noch schlimmer Netzteil ist viel schlimmer da die Spannungen viel höher sind.
Die meisten User machen aber leider den Fehler indem sie das Gerät sofort wieder einschalten oder noch schlimmer aufladen, obwohl noch Flüssigkeit also Elektrolyte vorhanden sind.

Selbstverständlich würde ich alles versuchen die Platine von Cola zu reinigen (hatte ich ja auch mit Ultraschall vorgeschlagen ). Aber machen wir uns nichts vor unter den Chips könnte auch Flüssigkeit fliesen und da wäre eine Reinigung extrem schwierig wenn nicht sogar unmöglich wenn wir also Pech haben bleibt was übrig.

Da hätte es mich halt mal interessiert was pasieren würde, wenn man da nicht reinigen kann und was mit dem Rest Cola passiert ob das irgendwann fest wird also nicht mehr leitend oder ob es durch die Phosporsäure und Zucker immer wieder Luftfeuchtigkeit anzieht und damit die Leiterbahnen nach und nach durchfrisst.
Bei Handys habe ich schon oft gehört das Wasserschadengeräte manchmal erst nach ein paar Wochen kaputt gehen das könnte der Grund sein.
Ich selber habe das noch nie erleben müssen wenn es nach der Reinigung etc. noch geht ging es auch nach ewig langer Zeit.
Aber generell kann keiner eine Garantie dafür geben, deshalb wird bei Handys mit Wasserschaden auch nur eine Datenrettung angeboten, weil natürlich keiner auf so was eine Gewährleistung geben kann.